Es kann in jeder Küche passieren: Jemand wird abgelenkt, vielleicht durch einen Telefonanruf, und vergisst den Topf oder die Pfanne auf dem Herd, der gerade auf eine hohe Leistung eingestellt ist. Oder die Temperaturregelung des Herdes, einer Friteuse versagt. Oder... Und dann wird Fett oder Öl so stark erhitzt, dass es sich von selbst entzündet. Bei Frittierfetten ist bei Temperaturen zwischen ca. 280 und 370 Grad der Punkt erreicht, bei dem eine Selbstentzündung stattfindet - solche Temperaturen sind auf einem Küchenherd erreichbar!
Wer in einer solchen Situation reflexartig Wasser oder eine andere Flüssigkeit benutzen will, um die Flammen zu löschen, macht eventuell die letzte Bewegung seines Lebens. Nein, diese Aussage ist nicht maßlos übertrieben!
In der Realität kann man so etwas immer mal wieder bei Vorführungen der Feuerwehren ansehen, z. B. im Rahmen von Tagen der offenen Tür. Dort - im Gegensatz zum Unglück in einer Küche - allerdings unter kontrollierten Bedingungen. So trägt der Vorführende geeignete Schutzkleidung, niemand sonst befindet sich im Gefahrenbereich, geeignete Löschmittel werden von Fachleuten bereitgehalten und das Ganze findet im Freien statt. Der Brand wird künstlich eingeleitet, indem beispielsweise Speisefett in einem Topf mittels Gasbrenner erhitzt und angezündet wird, um den Vorgang zu beschleunigen. Dann wird ein kleines Glas Wasser in das brennende Fett entleert. Vorsicht: Dieser Vorgang ist sehr gefährlich und sollte selbst in kleinem Maßstab nicht nachgemacht werden!
Die Reaktion ist gewaltig. Es entsteht in Sekundenbruchteilen ein durchaus 5 m hoher Feuerball, ein feuriges pilzförmiges Gebilde oder eine Feuersäule mit solch enormen Ausmaßen, dass man von einer Fettexplosion spricht.
Diese Bilder nahm Matthias Zielinski (FF Eimsbüttel) beim Tag der offenen Tür der
FF Alsterdorf am 10.09.2005 auf.
In einem geschlossenen Raum wie einer realen Küche sind die Auswirkungen noch schlimmer. Denn Decke und Wände halten das Inferno auf einen relativ kleinen Raum begrenzt, die Flammen kommen eventuell auf den Koch zu - und der hat womöglich leicht entzündbare Kleidung an. Weiteres leicht entflammbares Material ist häufig in der Nähe: Eine Schürze, Geschirrtücher, Rollen mit Papier- Haushaltstüchern... Die Kücheneinrichtung selbst könnte auch in Brand geraten, dazu Gardinen, Tapeten etc. Dann kommt vielleicht noch eine Dunstabzugshaube ins Spiel. Hat sich dort Fett angesammelt, weil sie nicht gereinigt und der Filter nicht ausgetauscht wurde, wird auch dieses möglicherweise entzündet. Über den Abluftkanal wäre eine Ausbreitung ins Dach oder in Isoliermaterial in einer Wand denkbar.
Was haben Personen - auch z. B. Kinder, die sich bei ihrer kochenden Mutter aufhalten - in der Nähe des Unglücks zu erwarten? Schwerste äußerliche Verbrennungen durch die Flammen und am Körper in Brand geratene Kleidung sind längst nicht alles. Wer gerade beim Auftreten der Stichflammen einatmet, kann auch Verbrennungen in den Atemwegen erleiden. Der auftretende Qualm führt unter Umständen zu einer sogenannten Rauchvergiftung, kann schnell zur Bewusstlosigkeit und zum Tod führen. Umherspritzende Flüssigkeit kann zusätzlich Verbrühungen bewirken, sich ausbreitender Wasserdampf ebenfalls - und das auch unter schützender Kleidung. Ein kurzer Artikel im Hamburger Abendblatt berichtet über einen solchen Fall.
Warum kommt es überhaupt zu einer so heftigen Reaktion? Das brennende Fett oder Öl (oder Wachs oder ähnliche Stoffe) ist eventuell mehrere hundert Grad heiß. Hinein gegossenes Wasser sinkt teilweise darin nach unten, weil es schwerer ist. Dann kommt es allerdings zu einer schlagartigen Verdampfung, da der Siedepunkt des Wassers (100 Grad) überschritten ist. Beim Verdampfen dehnt sich das Wasser stark aus: Aus einem Liter Wasser in flüssiger Form werden 1700 Liter Wasserdampf. Durch die plötzliche Ausdehnung ist natürlich zu wenig Platz im Behälter, Dampf wird nach oben herausgeschleudert und reißt die brennbare Flüssigkeit mit sich. Die so entstandenen in die Luft geschleuderten Tropfen werden dann durch die darunter befindlichen Flammen entzündet. Und die Tropfen verbrennen wesentlich besser als die zuvor im Topf befindliche Flüssigkeit. Warum das so ist? Der nächste Abschnitt gibt darüber Auskunft.
Eine Voraussetzung für einen Brennvorgang ist das Vorhandensein von Sauerstoff. In der Luft ist Sauerstoff enthalten, deshalb kann Fett im Topf an der Oberfläche verbrennen. Schwebt ein Tropfen in der Luft, weil er aus dem Behälter herausgeschleudert wurde, so ist er von Luft umgeben. Von mehr Luft, als dies der Fall ist, wenn er sich noch im Topf befindet. Denn dort hat er höchstens direkt an der Oberfläche Kontakt zur Umgebung. Mehr Kontakt zur Luft - mehr Kontakt zu Sauerstoff - ein besseres Mischungsverhältnis zwischen Sauerstoff und brennbarem Stoff - eine schnellere und heftigere Verbrennung.
Was ist zu tun, wenn tatsächlich mal etwas in Topf, Pfanne oder Friteuse brennt? Zunächst sollte die Energiezufuhr gestoppt, also der Herd bzw. die Friteuse abgestellt werden. Wenn man an das Gerät selbst nicht mehr gefahrlos rankommt, geht das vielleicht auch durch Herausziehen des Steckers bei Kleingeräten, das Herausnehmen einer Sicherung oder Absperren des Gases (das Löschen der Gasflamme reicht nicht, denn dann strömt ja weiter Gas aus, was zu Explosionsgefahr führt). Hat man einen geeigneten (trockenen!) Deckel oder eine Löschdecke zur Hand, kann man das Gefäß damit zudecken und somit den Sauerstoff möglichst vollständig aussperren - den Brand dadurch eventuell ersticken. Doch Vorsicht! Dabei muss man den Flammen gefährlich nahe kommen, was man nicht unbedingt riskieren sollte. Und die Abdeckung darf man auch nicht zu früh wieder entfernen, denn die Hitze könnte zu einer erneuten Entzündung führen, wenn wieder Sauerstoff vorhanden ist. Im Idealfall kann man noch brennbare Materialien aus dem Gefahrenbereich entfernen und bei einem Elektroherd den Topf oder die Pfanne auch von der Heizplatte nehmen, die ja auch nach der Abschaltung noch heiß ist und somit Energie liefert. Gerade beim Transport besteht aber die Gefahr des Verschüttens und des Abhebens der Abdeckung!
Wenn es zu Verbrühungen oder Verbrennungen gekommen ist, sind die betroffenen Hautpartien bekanntlich mit Wasser zu kühlen. Und wenn die Kleidung einer Person in Brand geraten ist? Laufen sorgt für Luftzug und damit ein Anheizen der Flammen. Wälzen Sie sich bzw. die betroffene Person auf dem Boden. Brennende und gelöschte Kleidung sollte vom Körper entfernt werden (an der Haut fest klebende Reste allerdings nicht). Zum Ablöschen einer Person können auch Wasser, eine Löschdecke oder ein Feuerlöscher eingesetzt werden - zu Wasser und Feuerlöschern sollten aber die noch folgenden Hinweise beachtet werden, was den Kontakt zum brennenden Fett oder Öl betrifft.
Den Notruf 112 sollte man im Zweifel immer nutzen. Wenn die Situation sich
verschlimmert, ist dann schon Hilfe unterwegs. Andernfalls wird der Löscherfolg
zumindest von Fachleuten überprüft. Was die Notrufmeldung enthalten sollte? Die 5
W sind sicherlich gut zu merken (und man könnte sie sich auch ans Telefon kleben):
Wo ist es geschehen?
Was ist geschehen?
Wie viele verletze oder gefährdete Personen gibt es?
Welche Verletzungen liegen vor?
Warten auf Rückfragen!
Und wie sollte man sich ansonsten verhalten, wenn man die zuvor beschriebenen Maßnahmen bereits ergriffen hat, soweit dies möglich war? Verlassen Sie den Brandraum und schließen Sie dessen Tür. So verhindern Sie eine schnelle Brand- und Rauchausbreitung auf die restliche Wohnung. Ist bereits eine starke Verqualmung eingetreten, sollten Sie am Boden kriechen. Dort sind Rauch und Wärme am geringsten, Atemluft und Sicht am besten. Wenn Sie die Wohnung verlassen, schließen Sie auch die Wohnungstür (aber sorgen Sie z. B. durch Steckenlassen des Schlüssels für einen leichten Zugang durch die Feuerwehr) - so bleibt auch das Treppenhaus rauchfrei und als Fluchtweg für andere nutzbar. Ansonsten verbreiteten sich Qualm, Hitze und Feuer und können sogar Personen in anderen Wohnungen gefährden. Warnen Sie weitere Personen wie Ihre Nachbarn und bringen Sie Hilfsbedürftige in Sicherheit. Dann sollten Sie sich bei der ankommenden Feuerwehr bemerkbar machen und die Situation beschreiben (Lage der Brandstelle, Ausdehnung des Brandes, Zugangsmöglichkeiten, vermisste oder gefährdete Personen...). Können Sie die Wohnung nicht mehr verlassen: Begeben Sie sich in einen anderen Raum, schließen Sie dessen Türen und halten Sie sich am Fenster auf, machen Sie sich dort bemerkbar. Beachten Sie in jedem Fall die Anweisungen der Feuerwehr, springen Sie nicht aus einem Fenster und auch nicht auf Rettungsgeräte wie eine Leiter oder ein Sprungpolster, die gerade aufgebaut werden.
Bei eigenen Versuchen mit den verschiedenen Löschmitteln ist Vorsicht geboten. Wasser (auch aus einem Feuerlöscher ohne spezielle Zusätze) scheidet aus den beschriebenen Gründen aus. Auch Schaumlöscher (sofern es sich nicht um Spezialschaum handelt) sind problematisch, denn der Schaum enthält Wasser. Und Löscher mit anderen Inhalten wie Pulver oder Kohlendioxid erzeugen einen Strahl, der das brennende Material aus dem Gefäß schleudern kann. Dann kommt mehr Sauerstoff an die Tropfen und deshalb entsteht ein Feuerball (siehe oben). Wird viel Löschmittel verwendet, kann es außerdem zum Überlaufen des Behälters und somit zu einer Brandausbreitung kommen. Außerdem besteht die Gefahr der erneuten Entzündung, sobald der Löscher leer ist, da die Hitze nicht oder nur teilweise entzogen wird. Löschpulver hat darüber hinaus weitere Nachteile: Es führt zu einer Vernebelung, die eine Orientierung erschwert, zur Verschmutzung des gesamten Raums und ist bei Einatmung nicht gesundheitsförderlich.
Fette und Öle wurden bisher zur Brandklasse B gezählt, zu den flüssigen oder (z. B. bei Temperaturerhöhung) flüssig werdenden Stoffen. Aber Feuerlöscher für diese Brandklasse (Schaum, Pulver, Kohlendioxid) sind aus den genannten Gründen dennoch kaum für die hier in Frage stehenden Stoffen kaum geeignet. Deshalb wurde im Januar 2005 die neue Brandklasse F (pflanzliche oder tierische Speisefette und -öle) in der Norm DIN EN 2 eingeführt. Feuerlöscher für diese Brandklasse enthalten nicht nur ein geeignetes Löschmittel, sondern geben dieses auch über spezielle Düsen ab. So wird eine kühlende Sperrschicht über die Flüssigkeit gelegt, die die Luft fernhält.
Fettbrandlöscher sind allerdings kaum in heimischen Küchen, sondern wohl nur in professionellen Küchen zu finden (dort teilweise vorgeschrieben). Denn dort sind größere Fett- und Ölmengen vorhanden - und z. B. auch mehrere große Friteusen bzw. andere Geräte, bei denen die Gefahr eines Flammenübergriffs besteht. Löschdecken (auch aus Nomex, Kevlar und Glasgewebe) zeigten in der Realität und in Tests der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten (BGN) unter entsprechenden Bedingungen übrigens unangenehme Eigenschaften: Sie waren teilweise zu steif, um Geräte damit ausreichend abzudecken oder brannten wegen den enormen Hitze durch, nachdem sie über eine brennende Friteuse gelegt wurden. Außerdem sorgen bei ihnen Fettdämpfe für einen Effekt wie beim Docht einer Kerze. So kam es sogar zu Brandausbreitungen. Bei solchen Vorfällen und Versuchen zeigten sich auch die oben genannten Probleme der "normalen" Feuerlöscher (siehe Dokumente der BGN im Internet unter Medien -> Fachartikel -> Brandschutz). Das Auflegen von Gerätedeckel brachte meist keinen Erfolg, weil sie z. B. Aussparungen für die Griffe der Frittierkörbe hatten.
Noch ein paar Hinweise: Auch wenn heißes Fett oder Öl nicht brennt, ist Vorsicht beim Zusammentreffen mit Wasser geboten! Wasser spritzt wegen des Fallenlassens eines Gegenstandes aus einem Behälter, Kondenswasser tropft von einem Deckel herab, Eis haftet an tiefgekühltem Frittiergut, Fleisch ist nass oder stark wasserhaltig, ein Behälter enthält noch Wasser - auch hier kommt es zur starken Ausdehnung, zu Dampfbildung, zum Wegspritzen von heißen Tropfen. Das kann auch beim Fondue passieren. Verbrühungen und Augenschäden können die Folge sein. Füllen Sie nicht zu viel Fett oder Öl ins verwendete Gefäß, nutzen Sie kein gealtertes oder verbrauchtes Material, überhitzen Sie es nicht und lassen Sie es nicht ohne geeignete Aufsicht. Frittieren Sie nur in VDE-geprüften Geräten, nur mit hochsiedenden Fetten (nicht mit normalem Haushaltsöl) und nicht unter eingeschalteten Dunstabzugshauben. Letztere sollten regelmäßig gereinigt, geprüft und mit sauberen Filtern versehen werden.