Die sehr warme Luft der vorangegangenen Tage hatte große Mengen Wasser gespeichert. Dann schob sich kalte Luft aus südlichen Richtungen unter die Warmluft und verdrängte sie nach oben. Die Kaltluft wurde vom noch warmen Boden erwärmt und stieg dann auch auf. Quellbewölkung und heftige Gewitter kamen zustande. Und weil die extrem feuchte Luft schnell von 30 auf 19 Grad abgekühlt wurde, sank ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit mitzuführen. Die Folgen: Sturmböen und im Durchschnitt 30 - 35 Liter Regen pro Stunde und Quadratmeter in Norddeutschland, in Hamburg im Extremfall bis zu 65 Liter.
Damit gab es an diesem Tag schon fast die gesamte Menge an Regen, die im gesamten Monat zu erwarten war. Seit Jahresbeginn fielen damit schon 88 Prozent des gesamten normalen Regens. Seit Beginn der Aufzeichnungen der Regenmengen kam so etwas nicht vor, rein statistisch braucht man mit einem solchen Ereignis nur alle 4600 Jahre rechnen.
Und wo blieb das Wasser? In einer Stadt sind große Teile der Oberfläche versiegelt, es kann nicht einfach versickern. Die Luft enthielt noch die maximale Feuchtigkeitsmenge, es konnte also nicht einfach verdunsten. Und die Kanalisation ist zwar auf größere Regenfälle ausgelegt, wie sie im Durchschnitt alle 5 Jahre vorkommen, aber so große Wassermassen... Gullydeckel wurden hochgeschleudert, Fontänen kamen aus Sielen, Keller liefen voll, Straßen standen unter Wasser oder wurden unterspült. Teilweise fiel der Strom aus, über 100 Ampeln blieben dunkel.
Wegen den starken Regenfälle und Sturmböen liefen in der
Feuerwehr-Einsatzzentrale die Notruftelefone heiß,
denn das Tiefdruckgebiet "Gudrun" hat auch in Hamburg großen Schaden angerichtet.
Von den am 01.08. 1933 gemeldeten Einsätzen (normal: knapp 600 pro Tag)
waren 1400 Unwettereinsätze.
Schon in den ersten 2 Stunden waren es ca. 500 Unwetter-Einsätze,
bis 21 Uhr insgesamt über 1300. Ein solches Einsatzaufkommen
gab es in den letzten 10 Jahren nicht mehr, selbst zu Silvester
fallen nicht so viele Einsätze gleichzeitig an.
In Hamburg waren fast alle 87 Freiwillige Feuerwehren im Einsatz
und haben hauptsächlich vollgelaufene Keller, Tiefgaragen und
tieferliegende Räumlichkeiten wieder leergepumpt. In vielen Stadtteilen
sorgten überflutete Straßen für erhebliche Verkehrsbehinderungen.
Am Falkensteiner Ufer hinterließ das Unwetter auf einer Fläche von 1 Quadratkilometer
entwurzelte Bäume. Hier wurde ein Wohnwagen mit einer sich darin
aufhaltenden Frau umgerissen. Die Frau wurde leicht verletzt in ein Krankenhaus befördert.
Am Abend des 01.08.2002 wurden ca. 900 Kräfte eingesetzt.
Die Einsatzflut endete am Morgen des 02.08.2002 gegen 4.00 Uhr.
Bereits gegen 07:30 Uhr ging die Einsatzflut wieder los und dauerte fast den gesamten Tag.
Weil zu viele Notrufe gleichzeitig kamen, war bei Feuerwehr und Polizei auch schon mal das Besetztzeichen zu hören. Daraufhin setzte ein Bürger einen Notruf per e-Mail an die Feuerwehr ab - ungewöhnlich und nicht empfehlenswert (es gibt niemanden, der eingehende e-Mails auf Notrufe hin sichtet!), aber in diesem Fall erfolgreich.
Ab ca. 17 Uhr fuhr die Feuerwehr Hamburg Ausnahmezustand: Die Einsatzzentrale wurde personell verstärkt, Einsätze vorsortiert und nach Prioritäten geordnet, Reserven (z. B. für Feuermeldungen) gebildet, sonst geschlossen ausrückende Einheiten aufgesplittet, die Gebührenpflicht aufgehoben.
Punkt 17 Uhr kam der erste Einsatz für die FF Eimsbüttel, die zunächst in die Innenstadt beordert wurde. Nach und nach kamen weitere Alarmierungen, einzeln oder in gleich mit ganzen Listen abzuarbeitender Aufträge. Und an vielen Einsatzstellen lag nicht nur der gemeldete Baum herum, stand nicht nur der avisierte Keller unter Wasser. Auch die Nachbarn waren betroffen und bekamen natürlich Hilfe, wenn das möglich war. Das ging durchgängig bis 4:15 Uhr am Morgen so. 33 mal. Bei den Kellern ging es übrigens um größen bis zu 250 Quadratmetern und Wasserstände bis zu 1,5 Metern. Nur nebenbei und zur Erinnerung: Unsere Mitglieder sind natürlich in der Mehrheit berufstätig und hatten zuvor bereits einen normalen Arbeitstag hinter sich!
Als endlich Schluß war, ging es zum Feuerwehrhaus zurück, Dort wurden die Geräte und Fahrzeuge schnell wieder einsatzbereit gemacht. Und dann ab in die Betten. Schließlich war es bereits Freitag und ein weiterer Arbeitstag stand bevor.
Um 08:47 Uhr kam dann der nächste Alarm, wiederum der Auftakt einer ganzen
Reihe. Diesmal waren es 9 Stück, die bis 19:15 Uhr abgearbeitet wurden.
Nur 9 in so langer Zeit? Zum Teil waren es lange Einsätze: Z. B. der Keller,
den wir bereits in der Nacht zuvor leergepumpt hatten und der jetzt wieder
vollgelaufen war. Hier wurden wir von einem Kamerateam aufs Korn genommen:
Video-Sequenz (wmv-Format, ca. 9 MB).
Dann waren da die großen Baumteile, die erst mit Hilfe einer nachgeforderten Drehleiter
entfernt werden konnten. Bei diesem Einsatz fiel eine Leiter mit einem technischen Defekt
aus, wir mußten daher auch noch auf ein Ersatzfahrzeug warten.
Klicken Sie die Fotos zu diesem Einsatz an, wenn Sie sie in voller Größe
sehen wollen!
Ein Dankeschön möchten wir an dieser Stelle an einige freundliche Mitbürger aussprechen, die uns unterstützt haben: Sie plünderten ihre Kühlschränke, um uns kühle Getränke zukommen zu lassen, schmissen ihre Kaffeemaschinen an oder gaben uns ihre Keksbestände! Und dann sind da natürlich noch unsere Arbeitgeber, die uns von der Arbeit freigestellt haben, die Gehälter aber trotzdem weiterzahlen! All das kann man heutzutage leider nicht mehr als selbstverständlich ansehen. Vielen Dank!
Insgesamt waren wir an diesen beiden Tagen also 42-mal mit Hilfeleistungen beschäftigt, dazu fast 23 Stunden unterwegs bei ungefähr 4,5 Stunden Pause. Unsere Fahrzeuge haben dabei zusammengerechnet 574 km zurückgelegt. Und damit war es noch nicht getan. Schließlich mußten Fahrzeuge, Geräte und Schutzkleidung anschließend wieder auf Vordermann gebracht und gesäubert werden, Einsatzberichte erstellt werden. Außerdem war auch das folgende Wochenende mit Aktivitäten vollgepackt: Wir halfen mit beim Radrennen HEW Cyclassics, mußten dazu vorher beispielsweise noch die erforderliche Verpflegung einkaufen.
Aber all das war natürlich nicht jedem klar. Und so fand der Erste am Samstag,
den 03.08. abends um 23:20 Uhr keine Unwettereinsätze in unserer
Einsatzliste
und fragte in unserem
Gästebuch,
ob wir denn in diesem Zusammenhang nicht unterwegs waren:
"Ist ja eine ganz nette Seite - aber seit Ihr keine Einsätze beim Unwetter gefahren?".
Es dauerte einige Tage, bis alles aufgearbeitet war und die Liste vervollständigt wurde.
Unsere Antwort konnte wohl nur so lauten:
"Zu Deiner Frage: Wir sind am Donnerstag, den 1. und am Freitag, den 2. August 2002
42 Einsätze gefahren, waren ca. 22 Stunden unterwegs.
Also mußte so manch einer von uns am Samstag unerledigte private oder berufliche Dinge
nachholen. Zudem müssen die Einsatzberichte noch aufgearbeitet, Einsatzlisten
erstellt werden. Deshalb war die Einsatzliste am Samstag Abend noch nicht auf
dem neuesten Stand. Und am Sonntag, den 4. waren wir ganztägig bei einem
Radrennen eingespannt. Da die Arbeiten an der Internetpräsentation eine
geringere Priorität haben als das Privatleben (inklusiver Erholung von
den Einsatzstrapazen), der Beruf und wichtigere Aufgaben in der Wehr, müssen
die Besucher unserer Webseiten halt noch etwas warten.".
Bis zur Veröffentlichung dieses Berichtes dauerte es dann noch etwas länger.
Einige weitere Informationen zum Unwetter können diesen Zeitungsartikeln entnommen werden:
Bericht im Hamburger Abendblatt vom 02.08.2002
Bericht in der Hamburger Morgenpost vom 02.08.2002
Bericht im Hamburger Abendblatt vom 03.08.2002
Bericht im Hamburger Abendblatt vom 03.08.2002
Bericht in der Hamburger Morgenpost vom 03.08.2002
| Text: | Jörg Eckloff, Norbert Kölln |
| Fotos: | Jörg Eckloff |
| Video-Bearbeitung: | Volker Zube |