Dienstag, 13.08./Mittwoch, 14.08.

Am 13. August wurden am späten Abend einige Wehrführer darüber informiert, daß Fahrzeuge ihrer Wehr mit der notwendigen Besatzung an einem Hilfseinsatz im überfluteten Dresden teilnehmen sollten - auch die FF Eimsbüttel wurde dafür vorgesehen, wie unsere Führung gegen 22:45 Uhr erfuhr.

Unser Wehrführer machte sich also daran, Kameraden zu finden, die über die erforderliche Qualifikation verfügen und zudem noch an diesem vermutlich mehrere Tage dauernden Einsatz teilnehmen konnten. Es fanden sich letztlich sogar mehr Leute dafür, als gebraucht wurden.

Der Rest der Mannschaft, noch ahnungslos, wurde dann um 23:18 Uhr per Pieper zum Feuerwehrhaus gerufen. Sicher hatte jeder von der Situation in Hamburgs Partnerstadt Dresden, ausgelöst durch extrem starke und lange Regenfälle in der Region, gehört und Bilder davon im Fernsehen gesehen - aber wer brachte schon die nichtssagende Alarmmeldung mit dem fernen Sachsen in Verbindung?

Klicken Sie auf den roten Knopf des dargestellten DME, um sich die jeweils nächsten Zeilen der Meldung anzusehen, mit der wir alarmiert wurden.   

Am Feuerwehrhaus gab es dann eine kurze Einweisung in die Lage: Unser Dekon-Fahrzeug war für die Fahrt nach Dresden vorgesehen, die ganze Mannschaft sollte jetzt die Fahrzeuge bestücken.

Zunächst wurden nicht benötigte Ausstattungsgegenstände entladen. Auf dem Fahrzeug verblieben z. B. das Schnell-Einsatz-Zelt und der Stromerzeuger jeweils mit Zubehör. Dann wurden am Standort Maienweg kartonweise gelagerte Gummistiefel und Decken aufgeladen, zusammen 2 Paletten voll. Für die mitfahrenden Kameraden wurden noch ein paar Kaltgetränke und eine Kaffeemaschine eingepackt.

Das Dekon-P fuhr zunächst eine Tankstelle an, damit der Fahrzeugtank und die Ersatzkanister für den Generator beim Abrücken randvoll waren. Danach war das Technikzentrum der Feuerwehr Hamburg in der Großmannstraße (Billwerder) das nächste Ziel, um den ersten Teil der Ladung aufzunehmen.

Derweil ging es für die restliche Mannschaft mit einem Löschfahrzeug direkt zum Technikzentrum, dann weiter zu einem Lager der Feuerwehr im Billbrookdeich. In Billbrook angekommen galt es dann, die vorgesehene Ausstattung bereitzustellen. Dazu mußte der Platz um die betroffenen Paletten und Gitterboxen und die erforderlichen Wege aus dem Lagerraum nach draußen erst einmal freigeräumt werden. Glücklicherweise stand ein Gabelstapler zur Verfügung - und wir hatten einen ausgebildeten Fahrer dafür in der Gruppe.

Zunächst traf dann das Dekon-Fahrzeug der FF Wohldorf im Billbrookdeich ein. Es hatte im Technikzentrum bereits einen Teil seiner Ladung erhalten. Jetzt wurden noch 3 Tragkraftspritzen und eine Gitterbox mit Saugschläuchen ergänzt. Danach war unser eigenes Dekon-P an der Reihe, das mit der gleichen Gerätschaft ergänzt wurde. Schließlich kam noch ein Wechselladerfahrzeug der Berufsfeuerwehr (Wache Billstedt - F 25), daß 4 Tragkraftspritzen und jeweils eine Gitterbox mit Saugschläuchen und wasserführenden Armaturen zur bereits vorhandenen Ausstattung zulud.

Für unsere Arbeitsgruppe war nach der Wiederherstellung des Ausgangszustandes im Lager die Arbeit getan, nach einem kurzen Abstecher zurück zum Technikzentrum ging es wieder zum Feuerwehrhaus. Dienstende: ca. 3:30 Uhr.

Das Eimsbüttler Dekon-P mit Besatzung hatte dagegen die ca. 500 Kilometer lange Fahrt im Konvoi nach Dresden vor sich. Gegen 4:30 Uhr fuhr die Kolonne, bestehenden aus dem Befehlswagen sowie 4 Löschfahrzeugen, 2 Dekon-Fahrzeugen, 2 Rüstwagen, Gerätewagen Versorgung, Gerätewagen Rettungsdienst, Gerätewagen Werkstatt, Fernmelde-Gerätewagen, Wechselladerfahrzeug, 4 Mannschaftstransportwagen, 5 Einsatzleitwagen in Richtung Sachsen ab. Im Gepäck der Fahrzeuge: 4 Kleinboote, verschiedene Pumpen, Stromerzeuger, Feldkochherd und anderes Hilfsgerät.

74 Feuerwehrangehörige haben sich mit dieser ersten Teilaktion auf den Weg gemacht. Neben Berufsfeuerwehrleuten (ca. 1/3 der Mannschaft) sind dabei Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Altengamme, Cranz, Eimsbüttel, Fünfhausen, Kirchwerder Süd, Ottensen, Reitbrook und Wohldorf. Ankunft: Gegen Mittag des 14. August. Dann sollen sie einen eigenen Einsatzabschnitt erhalten.

Die Hamburger Einsatzkräfte sollen nach etwa zwei Tagen abgelöst werden. Die gesamte Hilfsaktion soll bis zum Wochenende 17./18.08. laufen - aber das Ende ist natürlich von der Entwicklung der Lage vor Ort abhängig.

Artikel des Hamburger Abendblattes vom 15.08.
Artikel in "Die Welt" vom 15.08.


Donnerstag, 15.08.

Neue Informationen aus Dresden:

15 Feuerwehrleute sind aus Dresden nach Prag gefahren. Für sie kommen wiederum 15 aus Hamburg nach Dresden.

Die Hamburger Kräfte haben am Vortag ihr Quartier in der Offiziersschule in der Marienallee bezogen. Unterbringung: In Zelten (u. a. im Zelt des Eimsbüttler Dekon-Fahrzeugs) und in Zimmern der Kaserne. Die Versorgung dort erfolgt durch die Truppenküche und Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg.


Um 7:00 Uhr lag der Pegelstand in Dresden bereits bei 7,90 Meter, für den Vormittag werden 8,50 Meter erwartet.

Schloß Pillnitz im Normalzustand Unsere Leute sind seit 7:00 Uhr am Pumpen und Sandsäcke schleppen im Schloß Pillnitz. Dort wird ein Wall als Schutz für die anrollende Flutwelle errichtet.

Andere Hamburger evakuieren Personen aus gefährdeten Häusern und helfen, Hausrat in die oberen Stockwerke von Häusern zu retten.



Inzwischen sind einige weitere Fahrzeuge nach Dresden gefahren, die Übersicht enthält jetzt zusätzlich diese Fahrzeuge: ELW, GKW, WLF mit AB Kfz-Versorgung, LF 16/TH mit Kleinboot.

Abgesehen von einigen Ausnahmen werden die Einsatzkräfte übrigens nach jeweils 3 Tagen abgelöst.

Die Führung der FF Hamburg hat derweil Verstärkung und Ablösung organisiert, die Kontingente für Donnerstag und Freitag stehen fest. Für die weitere Planung holt sie Informationen von den Einheiten ein.

Mittlerweile wurde von unserem 2. LF, wie von Fahrzeugen anderer Wehren auch, die TS samt dem notwendigen Zubehör wie Saugschläuche genommen. Auch dieses Gerät ist für die Hilfseinsätze erforderlich.

Da die FF Altona wegen des Dresden-Einsatzes komplett außer Dienst gegangen ist, hat die FF Eimsbüttel für diese Zeit zusätzlich die Aufgabe erhalten, bei Großeinsätzen in Hamburg den Befehlswagen zu besetzen. Den Befehlswagen? Der ist doch in Dresden! Richtig, aber die Feuerwehr Hamburg hat den alten BFW, der zum Verkauf steht, reaktiviert und teilweise wieder mit Ausrüstung versehen.


Freitag, 16.08.

Die Einsatzkräfte hatten gerade in die Betten gehen können, als sie wieder geweckt wurden: Kurz vor Mitternacht war der errichtete Sandsack-Damm um Schloß Pillnitz von der Flutwelle zerstört worden. Schnellstens mußten Einsatzfahrzeuge und Teile der dort eingesetzten Geräte geborgen werden, z. B. die Pumpen. Schläuche etc. wurden vorerst zurückgelassen, 8 Tragkraftspritzen konnten nicht mehr herausgeholt werden. Letztlich stand das Gebäde bis zum 2. OG unter Wasser.

Neuer Einsatzort für die Hamburger Kräfte: Der teilweise evakuierte und möglicherweise bald völlig überflutete Stadtteil Pieschen. Dort sollen eine Bahnlinie und ein Straßentunnel mittels Sandsackdamm gesichert sowie die weitere Evakuierung mit den Kleinbooten unterstützt werden. Weitere Informationen konnten unsere Leute nicht durchgeben, denn während des Telefonats begann der Einsatz.


Später kam dann die Information, daß in einer Unterführung ein 4 Meter tiefer und 2 m hoher Damm gebaut wurde, am dem das Wasser letztlich bis wenige Zentimeter unterhalb seiner Oberseite stand. So konnte der dahinter liegende Bereich inklusive eines Krankenhauses, eines chemischen Betriebs, einer Tankstelle und eines großen Öltanks wirksam geschützt werden.

Inzwischen ist der Personalwechsel bis einschließlich Montag durchgeplant. Unsere Leute werden für Samstag zurück erwartet, unser Dekon-Fahrzeug bleibt noch vor Ort. Für den Fall, das Dienstag oder später weitere Kräfte nach Dresden geschickt werden, wurde von uns eine Gruppe gemeldet.

Das ablösende bzw. abgelöste Personal wird übrigens mit Reisebussen von Hamburg nach Dresden und in Gegenrichtung gebracht, da keine Fahrzeuge überführt werden müssen.


Samstag, 17.08.

Die Eimsbüttler sind wie geplant wieder zurück. Einer unserer Kameraden hatte ein Handy mit eingebauter Digitalkamera dabei (siehe Foto am rechten Bildschirmrand) - und hatte dieses Feature immer mal wieder zwischendurch nutzen können. Sobald wir die Fotos verfügbar haben, werden sie hier abrufbar sein.


Montag, 19.08.

Heute vormittag kam die Mitteilung: Am Mittwoch geht es für weitere von unseren Kameraden nach Dresden, diesmal als Teil der Besatzung des Befehlswagens!


Mittwoch, 21.08.

4 Uhr Abfahrt vom Feuerwehrhaus. Jeder darf sich ausmalen, wann unsere Leute aufstehen durften, schließlich mußte ja auch noch die Schutzkleidung aus den Spinden geräumt und eingepackt werden. Am Treffpunkt Hauptfeuerwache wurde dann alles im Bus verstaut (inklusive diverser Pakete Desinfektionsmittel), die Teilnehmerlisten durchgegangen. Gegen 5 Uhr fuhr der Bus ab, der übrigens von den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein AG kostenlos zur Verfügung gestellt, von Angehörigen der FF gefahren und auf Kosten der Stadt Dresden betankt wurde. 6 Stunden Fahrt und 2 kurze Pausen später war Ankunft im Bereitstellungsraum in Dresden.

Der Bus wurde schnell ausgeräumt, das frische Personal wurde begrüßt, konnte sich kurz über die Einteilung informieren und auf die Unterkünfte verteilen. Während der Bus zum Tanken fuhr, wurden die Neuankömmlinge zum Mittagessen geschickt. Nach dem Essen wurden dann die Aufgaben des abzulösenden Personals übernommen, das sich danach in Richtung Heimat in Bewegung setzten konnte.

Für die Eimsbüttler stand Arbeit im Befehlswagen an. Zunächst erfolgte eine Einweisung in die Situation durch die noch aktiven Fernmelder. Dann wurde gleich in Schichten mitgearbeitet, damit die Kameraden auch mal ohne Probleme eine Pause machen, Essen gehen oder schlafen konnten.


Donnerstag, 22.08.

Nun wurde der Fernmelderaum des Befehlswagens von unseren Leuten betrieben, die Vorgängerbesatzung unterstützte dabei noch bzw. nahm andere Aufgaben war. Mittags kam dann das nächste Personalkontingent, am Nachmittag stand für die Eimsbüttler die Einarbeitung der neuen Fernmelder an.

Wie in der Nacht zuvor wurde auch in dieser das Personal im Befehlswagen reduziert, der Fernmelderaum gemeinsam von den neuen und alten Kräften besetzt. So konnten aus beiden Grüppchen alle für ein paar Stunden schlafen.


Freitag, 23.08.

Es ging hektisch zu im Befehlswagen: Der Besuch von Hamburgs erstem Bürgermeister, Ole von Beust, und Dresdens Oberbürgermeister Rossberg stand an, natürlich mit einem großen Presseaufgebot. Entsprechend viel gab es vorzubereiten und zu tun. Unter anderem wurde bei dieser Gelegenheit der von Daimler Chrysler für Hamburg zur Verfügung gestellte Smart (jeder Landesfeuerwehrverband hatte einen erhalten) für 4 Wochen an die Dresdner Feuerwehr weitergegeben. Aber nicht nur wegen diesen Rummels gab es Arbeit, schließlich liefen auch die Einsätze weiter. Viel zu tun also für die Fernmelder, deshalb unterstützten die Eimsbüttler die neue Befehlswagen-Besatzung bis zur letzten Minute.

Und dann ging es per Bus zurück nach Hamburg, von der "Haltestelle" Hauptfeuerwache wurden wir von Kameraden abgeholt und zum Feuerwehrhaus gebracht. Dort war dann gegen 22 Uhr Schluß.


Samstag, 24.08.

Nachdem der Einsatz der Hamburger Kräfte in Dresden beendet wurde (Rückfahrt 8 bis 17 Uhr), bekamen wir unser Dekon-P leicht lädiert wieder zurück. 1499 Kilometer ist es im Rahmen des Flut-Einsatzes gelaufen, davon ca. 500 km innerhalb Dresdens, u. a. als Zugfahrzeug für Kleinboote. Nun liegen Nacharbeiten an: Beladung kontrollieren, Fahrzeug und Geräte reinigen, Beschädigungen reparieren, Beladung wieder in den Normalzustand bringen. Und irgendwann wird wohl auch unser 2. Löschfahrzeug wieder bestückt werden können...

Hier nun einige zusammenfassende Informationen in Sachen Dresden:

Im Einsatz waren
- 6 Fahrzeugpumpen,
- 17 Tragkraftspritzen,
- 7 Elektro-Tauchpumpen und
- 10 Turbinen-Tauchpumpen.

BF-Angehörige
FF-Mitglieder

Personal Gesamt

31
56

87

31
56

87

36
58

94

37
59

96

41
59

100

43
79

112

27
60

87

25
60

85

24
58

82

22
52

74

20
51

71























































Tag



























































Beteiligung
FF Eimsbüttel

Diese Grafik zeigt die Wasserstände der Elbe in Dresden, Angaben in Metern:

Mittags fragte die Wehrführung ab, wieviele unserer Leute für eine Ablösung der Kräfte an der Elbe vor den Toren Hamburgs verfügbar wären - am Nachmittag kam dann für uns und 12 andere Wehren der Alarm, dessen weitere Zeilen nach Betätigung des roten Knopfes angezeigt werden:   

Ziel war der Ort Viehle im Landkreis Lüneburg, allerdings kam schon gegen 17:30 Uhr Entwarnung. Da vor Ort doch keine weiteren Kräfte benötigt wurden, konnte der Einsatz abgebrochen werden.



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