Gegen 5 Uhr gab der Deutsche Wetterdienst eine Unwetterwarnung heraus, die auch auf der Internetseite mit DWD-Warnungen für Hamburg gelesen werden konnte. Er wies auf schwere Gewitter mit Starkregen (teilweise über 25 Liter pro Quadratmeter) in der Zeit bis 9 Uhr hin. Einen Hinweis auf diese Meldung hätte jeder erhalten, der die Webseiten der FF Eimsbüttel aufgerufen hätte - aber das war zu dieser Tageszeit wohl eher unwahrscheinlich. Wehrintern wurde ein solcher Hinweis auch per Mail verbreitet.

Wer früh morgens nur den Wetterbericht in einer Zeitung gelesen hatte, rechnete mit einem bewölkten Tag, einzelnen Schauern und mäßigem Wind aus südwestlicher Richtung. Aber es sollte halt anders kommen, wie Blicke gen Himmel erahnen ließen...

Es zog ein Unwetter über die Stadt, das in den Elbvororten ab ca. 7:45 für Feuerwehreinsätze auf Grund umgestürzter Bäume sorgte und sich rasant in Richtung Innenstadt bewegte. Sein Verlauf konnte im Internet gut über die Wetterradar-Seiten von WetterOnline verfolgt werden. Zu sehen waren Niederschläge und Blitze (klicken Sie auf den Link, um sich eine animierte Darstellung auf der entsprechenden Webseite von Wetteronline.de anzusehen), mengenmäßig jeweils in der höchsten Anzeigekategorie. Und auch die Unwetterzentrale visualisierte das Geschehen im Web, wo Hamburg anfänglich in rot und später dann in violett dargestellt wurde, der Farbe für die höchste Warnstufe.

Die Feuerwehr Hamburg reagierte ab ungefähr Viertel vor Acht in besonderer Weise auf das Geschehen. Die FF Berliner Tor und Führungskräfte der FF Hamburg wurden zur Verstärkung der Einsatzzentrale alarmiert. Bei einigen Wehren, die an diesem Tag wegen Personalmangel außer Dienst gemeldet waren, wurde abgefragt, ob sie nicht doch einsatzbereit seien. Vielfach konnten bei ihnen ausreichend Kräfte mobilisiert werden, wie deren spätere Einsätze belegten. Die Einsatzzentrale arbeitete dann im Betriebszustand "Ausnahme" (bis ca. 13:45). Dabei werden die außergewöhnlich vielen Hilfeleistungen, die trotz Nutzung von Reserven wegen der zur Verfügung stehenden Kapazitäten nicht alle sofort erledigt werden können, nach Prioritäten geordnet. Brand- und Rettungsdiensteinsätze beispielsweise erfolgen dann sofort. Unter umgestürzten Bäumen, vollgelaufenen Kellern etc. dagegen werden diejenigen mit Gefährdungen bevorzugt abgearbeitet.

Die FF Eimsbüttel war die erste Wehr, die im Betriebszustand "Ausnahme" alarmiert wurde. Übermittelt wurden gleich zwei Einsatzaufträge. Hier der erste:

Das Kürzel "DRZF" in der Meldung steht für "Droht zu fallen" (wird auch verwendet, wenn ein Gegenstand bereits gefallen ist). Die Zahlenkombination steht für die Einsatznummer und die Priorität des Einsatzes innerhalb einer Aufgabenliste.

In der Rothenbaumchaussee in Harvestehude waren in der Nähe des Bahnhofs Hallerstraße diverse Baumteile von der Fahrbahn zu räumen. Dieser Einsatz hatte die höhere Priorität, da der Verkehr auf der vielbefahrenen Straße gefährdet war.

Nach der schnellen Abarbeitung des ersten Einsatzes wurde der 2. in Angriff genommen:

Auf dem Weg zur Einsatzstelle (ebenfalls im Stadtteil Harvestehude) begegneten uns diverse Feuerwehreinheiten im Einsatz oder auf dem Weg zu ihren Einsatzstellen. Für uns war das der erste Hinweis auf die besondere Betroffenheit dieses Teils der Stadt. Vor Ort angekommen, bot sich uns ein imposanter Anblick, der von Beschreibungen der Anwohner zum Geschehen ergänzt wurde. Eine Windhose hatte einen ca. 35 Meter hohen Baum, Stammdurchmesser ungefähr 1,5 Meter, im Garten hinter den Gebäuden aus dem Boden gerissen und umgestürzt. Er lag nun an mehrgeschossige Wohnhäuser gelehnt. Dicke Äste waren durch Fenster in Wohnungen eingedrungen, weitere Teile der Baumkrone schwebten bedrohlich über dem Dach, Balkonen und einem Vorbau und gefährdeten diese. Der Zugang zum Garten war nur durch Wohnungen möglich, eine Einfahrt o. ä. gab es nicht, damit auch keinen Möglichkeit für den Einsatz einer Drehleiter.


Zunächst einmal hieß es, sich einen Weg durch das Chaos zu bahnen.


Abgeschnittenes Geäst wurde aus dem Arbeitsbereich beseitigt und in einer Ecke des Gartens aufgeschichtet.


Aus einem dicken Ast wird ein Keil heraus getrennt als Vorbereitung für das Absägen.


Einer der Äste soll abgesägt werden. Damit er nicht in ein Fenster schlägt, wird er davon weg gezogen.


Zwischenzeitlich mußte eine Sägekette gewechselt werden.


Einer der letzten Äste wird abgesägt.


Auf einem Balkon wird ein Ast beseitigt und gleich nach unten befördert.

Für uns hieß es also, zunächst die uns im Weg liegenden Teile des Baums (und Gartenmobiliar etc) am Boden und auf den Balkonen zu beseitigen. Dann wurden mit Hilfe von Hand-, Motor- und Elektrosägen alle Baumteile entfernt, die bei einem Absturz weitere Gebäudeteile hätten beschädigen können. Anschließend wurde so weit als möglich die Last von den dicken Ästen genommen, die die Häuser berührten. Danach mussten genau diese abgesägt werden. Und das sehr feinfühlig, da sie unter Spannung standen und das enorme Gewicht des restlichen Baumes hielten. Letztlich lag der untere Baumteil in einer stabilen Stellung auf dem Boden. Alles Geäst war so weit gekürzt, das auch eine Lageänderung durch heftige Sturmböen zu keinen weiteren Beschädigungen an den Gebäuden hätte führen können. Alle Zugänge zum Garten wurden vorsorglich noch gegen das Betreten gesperrt.

Während des Einsatzes bekamen die FF-Mitglieder übrigens Kaffee und Kaltgetränke von Anwohnern. Und bei Einsatzende wurden noch Kartons voller Kuchen überreicht, der dann bei der Rückkehr zum Feuerwehrhaus verspeist werden sollte. Bei den Spendern bedankt sich die FF Eimsbüttel auch auf diesem Wege noch einmal recht herzlich.

Als wir zwischenzeitlich nicht unbedingt mit allen Kräften am Baum in der Hagedornstraße arbeiten mussten, meldeten wir die restlichen Fahrzeuge wieder einsatzbereit. Und in dieser Zeit fiel auch tatsächlich ein parallel abzuarbeitender Einsatz an:

FLUNFGR - Flugunfall, groß (Luftfahrzeuge mit einer Startmasse über 7 t oder mehr als 10 Insassen), Großeinsatz Rettungsdienst.

Eine 33 Meter lange zweimotorigen Propellermaschine der Scandinavian Airlines SAS vom Typ De Havilland Dash 8 war um 11:07 Uhr mit 49 Passagieren und 4 Besatzungsmitgliedern in Zürich-Kloten zum Flug SK 606 in Richtung Stockholm gestartet. Nach einer Flugzeit von einer Stunde geriet das rechte Triebwerk über Norddeutschland in Brand. Vermutlich war Motoröl ausgelaufen und hatte sich entzündet. Die Besatzung stellte den betroffenen Motor ab und betätigte die bordeigene Löschanlage. Der verbleibende Propeller genügte, wie vorgesehen, für den Weiterflug und die anschließende Landung.


Das Foto (C) Markus Moßhammer / www.aircraftpictures.de zeigt eine Maschine der SAS gleichen Typs.
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Vor der angekündigten Notlandung (es wurde zunächst von einer Maschine des Typs DC 9 ausgegangen) bereitete sich die Feuerwehr auf dem Flughafen Fuhlsbüttel vorsorglich auf einen Großeinsatz vor. Die Kräfte der Feuerwehr Hamburg wurden um 12:34 alarmiert. Neben der Flughafenfeuerwehr rückten daraufhin diverse Fahrzeuge des Rettungsdienstes (Großraumrettungswagen, Gerätewagen Rettungsdienst, Notarzteinsatzfahrzeug, Leitender Notarzt, Organisatorischer Leiter Rettungsdienst, Schnell-Einsatzgruppe Rettung, 8 Rettungswagen), verschiedene Einsatzführungsdienste (A- und B-Dienst, Leiter der Feuerwehr), diverse Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr (2 Löschzüge, 2 Wechselladerfahrzeuge mit Absetzbehältern Schaum und Pulver) sowie Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr aus (Bereichsführer Nord, FF Fuhlsbüttel, FF Langenhorn, Fernmeldekomponente der FF Altona für die Einsatzleitung, Fernmeldekomponente der FF Eimsbüttel zur Einrichtung eines Meldekopfes).


Das Foto (C) Michael Arning / www.polizeireport-hamburg.de zeigt die Maschine nach der Landung.
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Um 12:39 landete die Maschine auf dem bis 12:45 deswegen gesperrten Flughafen. Von der Flughafenfeuerwehr wurde das Triebwerk endgültig abgelöscht und weiter gekühlt. Passagiere und Besatzung verließen das Flugzeug über Notrutschen. Es waren 2 Passagiere zu verzeichnen, die versorgt werden mussten.

Einige weitere Informationen sind diesen Zeitungsartikeln vom 10. Juni zu entnehmen:
Die Welt
Hamburger Abendblatt
Hamburger Morgenpost

Die Freiwillige Feuerwehr Eimsbüttel bedankt sich bei den Fotografen der beiden Flugzeugbilder für die Erlaubnis zur Veröffentlichung auf diesen Seiten!

Nach der Abarbeitung der Einsätze Hagedornstraße bzw. Flughafen fuhren die Fahrzeuge der FF Eimsbüttel zurück zum Feuerwehrhaus in Alsterdorf. Unterwegs wurde über Funk mitgehört, wie die FF Stellingen Unterstützung durch eine weitere Wehr anforderte und eine Weile später bei der Einsatzzentrale nach dem Verbleib der unterstützenden Einheit nachfragte. Die FF Eimsbüttel meldete sich nahezu zeitgleich wieder einsatzbereit und wurde dem Einsatz an der Stadtgrenze zu Schenefeld zugeordnet:

In der betroffenen und für die Arbeiten abgesperrten Straße waren reihenweise Bäume umgestürzt. Die Kameraden aus Stellingen hatten sich nach ihrer Alarmierung um 13:00 bereits weit vorgearbeitet. Beim Eintreffen der Eimsbüttler waren noch 2 quer auf der Straße liegende Bäume zu beseitigen. Die beiden Wehren übernahmen davon jeweils einen. Anschließend musste noch ein Baum entfernt werden, da er gespalten war, keinen sicheren Stand mehr hatte und akute Gefahr des Umstürzens auf die Straße bestand. Dieser Baum wurde in einer Gemeinschaftsaktion gefällt und nach dem Zerlegen in tragbare Teile neben der Fahrbahn aufgeschichtet.

Vor der Rückkehr zum Feuerwehrhaus wurden die Fahrzeuge betankt, am Feuerwehrhaus wurden die benutzten Geräte wie z. B. Motorsägen gereinigt und gewartet. Auch die Schutzkleidung und die Fahrzeuge waren noch zu säubern. Letztlich waren noch Schreibarbeiten zu erledigen, so dass der Einsatz gegen 18 Uhr beendet werden konnte.

Auch zur Wetterlage sind am 10. Juni diverse Zeitungsartikel erschienen:
Die Welt
Hamburger Abendblatt
Hamburger Morgenpost

Nicht unterschlagen werden soll, das nicht nur umgestürzte Bäume zu wetterbedingten Einsätzen führten. U. a. waren auch unter Wasser stehende Keller zu lenzen. Und "nebenher" waren noch "normale" Einsätze abzuarbeiten, darunter ein größeres Feuer - in Harvestehude und parallel zu den Unwettereinsätzen.


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