Am Sonnabend, den 30. 7. 2004 gab der Deutsche Wetterdienst um 14.25 eine Unwetterwarnung für Hamburg vor heftigem Starkregen, Gewitter und örtlichem Hagelschlag heraus. Was die letzten Monate fast schon mehr oder weniger gewohnter regelmäßig wiederkehrender Standard war, erwies sich diesmal ausgerechnet für die Gemüse und Blumen anbauenden Betriebe in den Vier- und Marschlanden als existenzbedrohendes Naturereignis. Nur ein paar Minuten lang fallender bis zu taubeneigroßer Hagel reichte aus, um bei mehr als 60 Betrieben mit insgesamt mehreren Hundert Gewächshäusern in den Stadtteilen Kirchwerder, Curslack und Neuengamme die Glasdächer zum großen Teil vollständig zu zerstören.
Bereits am Sonntagmorgen wurden zunächst 40 Freiwillige Feuerwehren aus dem gesamten Stadtgebiet zu den Sicherungs- und Aufräumungsarbeiten in das betroffene Gebiet beordert, welche im Laufe des Tages von weiteren 21 Wehren teilweise abgelöst wurden. Diese hatten vor allem die Aufgabe, noch lose in den Dächern hängendes Glas zu entfernen und damit eine Gefährdung der in den Gewächshäusern Arbeitenden sowie weitere Beschädigungen der Pflanzen zu verhindern. Die FF Eimsbüttel war zu dieser Zeit allerdings mit Sicherungs- und Betreuungsaufgaben im Zusammenhang mit den 'Hamburg Cyclassics' beschäftigt und konnte nicht aus diesem Geschehen herausgelöst werden. Nach der Rückkehr zum Feuerwehrhaus im Maienweg am Nachmittag bekamen wir die Information, daß ein Einsatz am Sonntag nicht mehr erfolgen würde, wir auf der Liste der einzusetzenden Wehren aber ganz oben stünden, so daß ein Einsatz im Laufe des Montags sehr wahrscheinlich wäre. Später am Abend bekamen wir tatsächlich dann die Information, daß wir am Montag morgen um 7 Uhr früh alarmiert werden würden. Durch eine interne Telefonkette wurde daraufhin sichergestellt, daß mindestens 12 KameradInnen hierfür zur Verfügung stehen.
Diese versammelten sich am Montag morgen kurz vor 7 Uhr wiederherum im Maienweg, um sofort nach der um 6.54 Uhr erfolgten Alarmierung per DME mit beiden Löschfahrzeugen und gleichzeitig mit weiteren 17 FF aus allen Stadtteilen nach Kirchwerder ausrücken zu können.
| Drücken Sie auf den roten Knopf auf der Darstellung des Digitalen Meldeempfängers, um sich die Meldung anzeigen zu lassen, mit der die Mitglieder der FF Eimsbüttel alarmiert wurden! |
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In Kirchwerder eingetroffen meldeten wir uns bei der an der Schule Kirchwerder stationierten örtlichen Technischen Einsatzleitung an, die uns ein Betrieb im Norderquerweg zuwies.
In der folgenden Straßenkarte ist der Einsatzort grob markiert, das betroffene Objekt aus Datenschutzgründen aber nicht genau angezeigt. Darunter finden Sie eine Übersichtskarte, mit deren Hilfe sie den Einsatzort in das Stadtgebiet einordnen können.
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An der Einsatzstelle eingetroffen wurde kurz die Lage erkundet und festgestellt, daß es sich um zwei große Gewächshäuser mit insgesamt rund 1600 qm Dachfläche handelte, an welchen die Glasscheiben auf jeweils einer Seite nahezu vollständig und auf der jeweils anderen Seite zum Teil zerstört waren. Teilweise war das Glas bereits am Vortag durch eine andere FF entfernt worden, wir haben somit eine schon bestehende Einsatzstelle übernommen.
Es wurden zwei Einsatzabschnitte gebildet, auf welche die verfügbaren Kräfte aufgeteilt wurden. Auf der fast vollständig zerstörten Seite wurden nahezu bis zum Giebel reichende vier Teile Steckleiter auf das Dach gelegt, gesichert, eine Kette gebildet und dann in mühevoller Kleinarbeit sämtliche noch in den Dichtungen steckenden Glasreste entfernt und nach unten gebracht. Dabei wurde neben der Vermeidung von Verletzungen besonderes Augenmerk darauf gelegt, daß möglichst wenig Scherben in das Gewächshaus fielen, um nicht noch mehr Pflanzen zu beschädigen und Glas in das Erdreich eindringen zu lassen. Nach jeder abgearbeiteten Bahn wurde die Leiter dann auf die nächste verschoben und das gleiche Spiel begann von neuem.
...und Einkippen in die Schaufel eines Arbeitsgerätes...
Zumindest mental etwas einfacher gestaltete sich die Arbeit auf der nur teilweise zerstörten Seite, da hier nicht soviele kleine Splitter, sondern mehr große Scheiben entfernt werden mußten und somit schneller gearbeitet werden konnte. Hier war der Einsatz einer Steckleiter nicht möglich, da diese direkt auf den noch intakten Glasflächen zum liegen gekommen wäre. Stattdessen wurden zwei andere Leitern mit Holzbohlen und Sicherungshaken versehen, die dann auf den längs verlaufenden aus Alu-Profilen bestehenden Dachlatten auflagen. Während der ganzen Zeit waren der Eigentümer des Betriebes und sein Sohn, die selber beide aktive FF-Kameraden sind sowie alle anderen Beschäftigten sowohl organisatorisch als auch von der eigentlichen Arbeit her aktiv mit dabei – durchaus keine Selbstverständlichkeit an Einsatzstellen.
Die hohen Temperaturen und fast ständiger Sonnenschein sorgten zusammen mit der körperlich recht anstrengenden Arbeit für eine am Nachmittag rapide ansteigende Erschöpfung und sich genauso schnell leerende Getränkekisten. Verletzungen durch das nicht gerade ungefährliche Material gab es dank umsichtiger Teamarbeit keine, dafür erlitt eine Kameradin einen leichten Sonnenstich, weshalb sie die Arbeit abbrechen und einen kühlen schattigen Ort zur Erholung aufsuchen mußte. Aber auch bei allen anderen sorgte die brennende Sonne für eine teilweise recht deutliche Zunahme des Rotanteils im Gesicht und anderen ungeschützten Körperstellen. Trotzdem blieb die Motivation, diese Einsatzstelle auch ohne Ablösung bis zum Schluß abzuarbeiten hoch, nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden Verpflegung, die uns zuteil wurde. Auch hierfür sagen alle eingesetzten KameradInnen der FF Eimsbüttel auf diesem Weg nochmals herzlich „Danke schön“!
Nach der Beendigung der letzten Arbeiten wurde das eingesetzte Material auf die Fahrzeuge verlastet und wir machten uns mit einem Umweg über die Technische Einsatzleitung – um uns abzumelden – im Status 'Nicht einsatzbereit' wieder auf die Rückfahrt. Um 19.40 trafen wir wieder am Maienweg ein, klarten die Fahrzeuge auf und hielten eine kurze Nachbesprechung, bevor wir uns bei der Einsatzzentrale wieder einsatzbereit meldeten. Den harten Tag im Nacken und eine erfrischende Dusche vor Augen verließ letztendlich der letzte Kamerad um 20.15 unser Feuerwehrhaus.
Weitere Informationen über das Unwetter, seine Folgen und das
Einsatzgeschehen finden Sie hier:
- Artikel in der Hamburger Morgenpost vom 02.08.2004
- Artikel im Hamburger Abendblatt vom 02.08.2004
- Artikel im Hamburger Abendblatt vom 03.08.2004
- Artikel in der Zeitung "Die Welt" vom 03.08.2004
- Bericht der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg
- Seite mit Fotos von Betroffenen
Text: Jörn Rüffer
Fotos: Norbert Kölln
Nachtrag der besonderen Art:
Zum Jahresende 2004 erhielten wir einen Adventskranz aus Kirchwerder - liebevoll wurden die Kopfbedeckungen der Figuren darauf sogar mit unserer Organisationsnummer 1937 versehen. Ein solches Präsent ist absolut ungewöhnlich und wir haben uns sehr darüber gefreut.
Die FF Eimsbüttel bedankt sich recht herzlich!