Für die Veranstaltungen während der Fußball-Weltmeisterschaft vom 9. Juni bis zum 9. Juli 2006 hatte sich die Feuerwehr Hamburg zur Umsetzung des nationalen Sicherheitskonzepts intensiv vorbereitet und ihre Aktivitäten vorgeplant, speziell auch für denkbare Großschadenslagen.
So wurden bei der Berufsfeuerwehr u. a. das Schichtsystem umgestellt (nur 2 statt 3 Wachabteilungen, um die Schichten verstärken zu können), das Personal der Landesfeuerwehrschule stärker in das Einsatzgeschehen eingebunden und weitere Fahrzeuge in Dienst genommen.
Zusammen mit großen Kontingenten der Freiwilligen Feuerwehren wurden insbesondere bei den Großveranstaltungen in der Stadt, z. B. beim FIFA Fan-Fest auf dem Heiligengeistfeld, massiv Kräfte bereitgestellt. Geplant wurde der Einsatz von ca. 1.900 FF-Angehörigen, die ehrenamtlich knapp 23.000 Stunden leisten sollten.
Wegen der Nähe zum Fußballstadion im Volkspark, Austragungsort von 4 Vorrundenspielen
| • | 10.06. (Sa) | 21:00 Uhr | Gruppe C: Argentinien - Elfenbeinküste |
| • | 15.06. (Do) | 15:00 Uhr | Gruppe A: Ecuador - Costa Rica |
| • | 19.06. (Mo) | 18:00 Uhr | Gruppe H: Saudi-Arabien - Ukraine |
| • | 22.06. (Do) | 16:00 Uhr | Gruppe E: Tschechien - Italien |
| • | 30.06. (Fr) | 21:00 Uhr | Viertelfinale 3, |
Diese Karte zeigt den Standort der FF Eimsbüttel, das Umfeld der Arena und den festgelegten Anfahrtsweg zum Stadion (verzweigt entsprechend dem genauen Einsatzort):
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Aufgaben der FF Eimsbüttel und der bei ihr stationierten Einheiten (Teile einer der Wehren Alsterdorf, Groß Borstel, Langenhorn pro Spieltag; teilweise Unterstützung durch die FF Lokstedt):
| • | Feste Besetzung des eigenen LF 16 bzw. LF 16-KatS und eines Löschfahrzeugs der zugeordneten Wehr für den Fall einer großen Schadenslage in der Hamburg-Arena, beginnend 4 Stunden vor dem Spiel bis 4 Stunden nach Spielende (ca. 10 Stunden) an allen Spieltagen; |
| • | Besetzung des eigenen LF 16/12 für den normalen Einsatzdienst an allen Spieltagen (zwischen 3 und 10 Stunden fest besetzt); |
| • | Stationierung des GW-FM im Bereitstellungsraum als Meldekopf, beginnend 5 Stunden vor dem Spiel bis 4,5 Stunden nach Spielende (ca. 11,5 Stunden) an 2 Spieltagen (Fahrzeug blieb an den anderen Tagen normal einsatzbereit, z. B. für Einsätze "Technische Hilfeleistung, Flugzeug" auf dem Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel). |
Berechnete man die vorgeplanten Bereitschaftszeiten mitsamt der erforderlichen Vor- und Nachbereitung, so kam man auf ungefähr 1.400 Stunden für die Frauen und Männer der beteiligten Wehren am Standort der FF Eimsbüttel. Spielbeginnverzögerungen, notwendige Verlängerungen der Bereitstellungszeiten oder ein tatsächlicher Großeinsatz nicht eingerechnet. Zu den Belastungen hinzu zu zählen waren außerdem u. a. noch die Eigenleistungen für die erforderliche Verpflegung. Da die Dienstzeiten z. T. eigentlich in die Arbeitszeiten der einzelnen Einsatzkräfte fielen, haben sich einige der Betroffenen dafür extra frei genommen. Andere wurden von ihren Arbeitgebern dafür freigestellt. Und dabei verzichten einige Firmen sogar noch auf ihren Anspruch auf Erstattung der fortbezahlten Gehälter durch die Stadt Hamburg, worum der zuständige Staatsrat in einem Schreiben gebeten hatte. Für diese Art der Unterstützung bedanken wir uns auch auf diesem Wege!
Mit einer Präsentation wurde Vertretern der betroffenen Wehren am 6. Mai 2006 die Aufgaben ihrer für einem Großeinsatz im Stadion eingeplanten Mannschaften vorgestellt. Sie sollten nach einer telefonischen Alarmierung (mit einer automatischen Ansage) die Hamburg-Arena über die vorgegebene Route anfahren, sich an der zugewiesenen Stelle beim eingeteilten Wehrführer melden, sich mit dem dort vorgehaltenen Material ausrüsten und dann nicht gehfähige Verletzte aus dem Stadion heraus tragen.
Es blieb natürlich von Anfang an zu hoffen, dass die für einen Massenanfall von Verletzten bereit stehenden Kräfte keine Einsätze geben würde.
Samstag, 10.06., Vorrundenspiel Argentinien - Elfenbeinküste (Gruppe C), Spielbeginn 21:00 Uhr
Ab 17 Uhr waren entsprechend der oben genannten Vorgaben 2 Löschgruppenfahrzeuge der Wehren Alsterdorf und Eimsbüttel für einen möglichen Einsatz im Station voll besetzt. Vorgesehen war die Bereitstellung bis ca. 3 Uhr. Für den gleichen Zeitraum war auch Personal für das LF 16/12 und den GW-FW der FF Eimsbüttel vor Ort.
Auch für die Eimsbüttler Fahrzeuge im normalen Einsatzdienst kam es glücklicher Weise zu keinen Alarmierungen. Da die Besucher das Stadion und dessen Umfeld nach Spielende recht schnell verlassen hatten, konnte die Bereitstellung bereits gegen 0 Uhr 30 aufgehoben werden. Dies war auch gut so, denn in der vorangegangenen Nacht hatten die Mitglieder der FF Eimsbüttel wegen eines längeren Einsatzes wenig Schlaf bekommen (siehe Einsatzbericht).
Donnerstag, 15.06., Vorrundenspiel Ecuador - Costa Rica (Gruppe A), Spielbeginn 15:00 Uhr
Diesmal sah der Plan vor, von 10:00 bis 21:30 den GW-FM im Bereitstellungsraum nahe der Arena als Meldekopf für die dort stationierten Einheiten zu betreiben. Am Feuerwehrhaus waren demnach in der Zeit zwischen 11 und 21 Uhr 2 Löschfahrzeuge der Wehren Langenhorn und Eimsbüttel mit Unterstützung der FF Lokstedt für einen Einsatz im Stadion ständig voll besetzt zu halten. Das Eimsbüttler LF 16/12 wurde ab 18 Uhr für "normale Einsätze" fest besetzt.
Zwischendurch bekamen die FF-Mitglieder Besuch von einem zufällig vorbeikommenden Fernsehteam der Deutschen Welle, das dokumentierten wollte, wo überall das laufende Fußballspiel im Fernsehen beobachtet wurde. So entstanden nebenbei auch noch einige Aufnahmen am und im Feuerwehrhaus.
Die Entscheidung, auch das LF 16/12 zeitweise fest zu besetzen, erwies sich als gut, denn nach Spielende kam es auf der Kieler Straße wegen der abreisenden Zuschauer in beiden Richtungen zu langen Staus. Bei einem Alarm hätten über diesen Weg zur Wache fahrende FF-Angehörige viel Zeit verloren.
Erfreulich: Auch an diesem Spieltag blieben das Telefon (was Alarmierungen betrifft) und die Pieper in den genannten Zeiträumen still. Und wiederum konnte die Bereitstellung eher als geplant aufgehoben werden, diesmal wurden den Kräften ungefähr 2 Stunden erspart.
Montag, 19.06., Vorrundenspiel Saudi-Arabien - Ukraine (Gruppe H), Spielbeginn 18:00 Uhr
Für diesen Spieltag wurde vorgegeben, den Meldekopf im Bereitstellungsraum in Stadionnähe von 13:00-00:30 mit dem GW-FM zu betreiben und 2 Löschfahrzeuge (FF Groß Borstel und FF Eimsbüttel, mit Unterstützung der FF Lokstedt) von 14 bis 0 Uhr am Feuerwehrhaus für ein Ereignis in der Arena voll besetzt und einsatzbereit zu halten. Eine anwesende Mannschaft für das Eimsbüttler LF 16/12 wurde ab 18:00 vorgesehen. Einsätze waren nicht zu verzeichnen.
Donnerstag, 22.06., Vorrundenspiel Tschechien - Italien (Gruppe E), Spielbeginn 16:00 Uhr
Plandaten: 12 bis 22 Uhr - 2 Löschgruppenfahrzeuge der Wehren Groß Borstel und Eimsbüttel für einen Einsatz mit einem Massenanfall von Verletzten mit maximaler Mannschaftsstärke am Feuerwehrhaus Eimsbüttel in Bereitstellung. 18 bis 22 Uhr - LF 16/12 und GW-FM fest besetzt für das normale Einsatzgeschehen. Auch bei diesem Termin blieb alles ruhig.
Freitag, 30.06., Viertelfinale 3 Italien - Ukraine, Spielbeginn 21:00 Uhr
Festgelegt wurde für diesen Termin eine Bereitstellung zweier LFs (Groß Borstel, Eimsbüttel) ab 17:00 speziell für die WM, die Besetzung der "normal" einsetzbaren Eimsbüttler Fahrzeuge (LF 16/12, GW-FM) ab 18:00. Bei normaler Länge des Spiels würde die Dienstzeit planmäßig bis 3:00 dauern, aber es konnte - im Gegensatz zu den Spielen der Vorrunde - bei Gleichstand natürlich auch zu einer Verlängerung und möglicherweise zu einem Elfmeterschießen kommen.
In die Zeit an der Wache fiel auch das Viertelfinalspiel
Deutschland gegen Argentinien. Nach dessen Ende fuhren auf der Kieler Straße
Unmengen
von wild hupenden Autos vorbei. Ein Teil der Einsatzkräfte stellte sich
für eine Weile an die Straße, schwenkte ebenfalls Fahnen und machte eine
Mini-Welle.
Erfreulich war für die bereitstehenden Kamerdinnen und Kameraden, dass es wiederum zu keinerlei Einsätzen kam. Und das Spiel konnte in der regulären Zeit entschieden werden, also gab es keine Verlängerung der Bereitschaftszeit. Ganz im Gegenteil: Stadion und Umgebung waren wieder einmal so frühzeitig von den Menschenmassen befreit, dass schon gegen Mitternacht Feierabend gemacht werden konnte.