Am 21.07.2003 fand in den Abendstunden eine Übung für eine Löschgruppe der FF Eimsbüttel statt. Das mit 9 Personen besetzte Löschgruppenfahrzeug wurde zu einem Autohändler geschickt, bei dem angeblich die Brandmeldeanlage einen Alarm ausgelöst hatte. Das es sich um eine Übung handelte, war den Teilnehmern bekannt. Bereits auf der Anfahrt rüstete sich ein aus 2 Einsatzkräften bestehender Trupp mit Atemschutzgeräten aus, um am Ziel sofort einsatzbereit zu sein.

Die Kräfte fanden folgende Lage vor: Betroffen war ein nicht vom Autohaus genutztes 2-geschossiges Gebäude. Einer der Verletztendarsteller stand an einem offenen Fenster im 1. Stock (im ersten Foto bei genauerer Betrachtung erkennbar), ein weiterer Betroffener wartete vor dem Eingang und konnte das Geschehen und das Gebäudeinnere schildern. Demnach war im Obergeschoß ein Papierkorb wegen hinein gegebener Zigarettenasche in Flammen aufgegangen, ein eigener Löschversuch sei vergeblich gewesen. Die jetzt am Fenster zu sehende Person hätte sich Brandverletzungen zugezogen, der Verbleib einer weiteren Person sei ungeklärt. Rauch war zu diesem Zeitpunkt übrigens nirgends sichtbar, die am Fenster gesehenen Person befand sich also offenbar nicht im Brandraum.

Feuer im Gebäude, 3 zu versorgende Personen (davon 2 in Gefahr), zu wenig Kräfte für diese Lage - also wurde über Funk eine entsprechende Meldung an die Einsatzzentrale (simuliert durch die Übungsleitung) mit der Anforderung weiterer Einheiten abgesetzt, während die Maßnahmen vor Ort anliefen.

Die außerhalb des Gebäudes angetroffene Person wurde weiter befragt, um nützliche Hinweise zu erhalten und so auch gleichzeitig betreut. Ein Feuerwehrmann wurde abgestellt, um die am Fenster stehende Person bis zu ihrer Rettung zu beruhigen (Eine schnelle Rettung über eine Leiter durfte wegen einer möglichen Beschädigung am Gebäude nicht durchgeführt werden). Gleichzeitig wurde auch nach einem 2. Zugang zum Gebäude gesucht.

Für den 1. mit Atemschutzgeräten eingesetzten Trupp wurden vom Fahrzeug aus die Schläuche für den Löscheinsatz verlegt (Verteiler nach 2 B-Längen vor dem Hauseingang), dann ging dieser mit einem C-Rohr in Richtung der bemerkten Person ins 1. OG vor - und kam schnell in einen mit Hilfe eines Nebelgeräts stark verqualmten Bereich.

Zur Veranschaulichung für nicht-Feuerwehrleute: Bei starker Verqualmung nützen die mitgeführten Handlampen fast nichts. Man sieht nur, was wenige Zentimeter vor den Augen ist. Deshalb gibt es in diesem Bericht trotz eines mit Fotoapparat ausgestatteten Beobachters auch nur Bilder aus wenig stark vernebelten Regionen. Man bewegt sich also auf allen Vieren auf dem Boden (wo die "Suppe" auch am wenigsten dicht ist, wie das Foto bei noch nicht vollständiger Verqualmung zeigt) und tastet sich voran. Bei dieser Fortbewegungsmethode besteht im realen Einsatz auch weniger die Gefahr, mit von der Decke herabhängenden Stromkabeln in Berührung zu kommen (Folge von hitzebedingten Abplatzungen im Bereich der Deckenbeleuchtung).

Schnellstmöglich rüstete sich dann ein 2. Trupp mit schwerem Atemschutz aus, der sich nach der Vorbereitung einer 2. Angriffsleitung ebenfalls ins Gebäude begab. Auch für diese Feuerwehrleute hatte die Rettung der vermißten Personen Priorität.

Draußen wurde ebenfalls fieberhaft weiter gearbeitet: Für die wahrscheinlich notwendige Verletztenversorgung wurden die erforderlichen Materialien bereitgestellt (Trage, Verbandmaterial, Decke, Einweghandschuhe, Beatmungs- und Absauggerät...). Da laut Übungsleitung mit dem Eintreffen der nachgeforderten Kräfte für längere Zeit nicht gerechnet werden konnte, mußte bis zum endgültigen Verbrauch des Wassers im Löschwassertank des Fahrzeugs eine Wasserversorgung von einem Hydranten aus aufgebaut werden. Nebenher erfolgte noch eine Kontrolle des ursprünglich gemeldeten Einsatzortes (Brannte es vielleicht auch im Autohaus? Oder war nur Rauch aus dem Nebengebäude von einem Rauchmelder registriert worden?). Außerdem war der Funkverkehr mit der Einsatzzentrale abzuwickeln, die unter Atemschutz eingesetzten Kräfte zu überwachen...

Das erste "Opfer" konnte auf Grund seiner recht genau bekannten Position schnell aus dem Gebäude gebracht und dort erstversorgt, betreut und befragt werden. Auch dafür mußte wieder Personal eingesetzt werden - aber so konnten auch wieder Informationen erlangt werden, z. B. zum genauen Ort des Brandausbruchs und zu einem Notausgang im oberen Stockwerk, den die noch vermißte Person benutzt haben könnte.

Im Gebäude wurde mittlerweile bei der weiter gehenden Personensuche das Brandobjekt gefunden (markiert durch eine blinkende Lampe) und das Löschen des Feuers simuliert (die Schlauchleitungen im Gebäude waren nicht gefüllt, um Wasserschäden auszuschließen; Lampe und Nebelgerät wurden ausgeschaltet). Im "Brandraum" wurden daraufhin, wie auch in anderen Räumen, die Fenster zur Belüftung und Entrauchung geöffnet.

Letztlich wurde die noch vermißte Person tatsächlich im Bereich des beschriebenen Notausgangs gefunden und kurz untersucht. Dem Einsatzleiter wurde dies per Funk mitgeteilt, verbunden mit dem Hinweis, sie sei bewußtlos. Daraufhin wurde ein Notarzt zum Ort des Geschehens geordert.


   Die beiden unter Atemschutz eingesetzten Trupps transportierten das bewußtlose Opfer gemeinsam über eine Treppe ins Erdgeschoß und dann ins Freie, wo wiederum Personal bereit stand und die Erstversorgung übernahm. Während der 1. Atemschutztrupp seine Arbeit beenden konnte (und wegen des zur Neige gehenden Luftvorrats auch mußte), wurde der 2. Wieder in das Gebäude geschickt. Er sollte eine letzte Kontrolle der Räumlichkeiten übernehmen (Weitere Brandherde? Weitere Personen? Belüftung ausreichend?).

Letztlich waren eine abschließende Rückmeldung per Funk an die Einsatzzentrale (Übungsleitung) zu geben und die Verletzen an den angeblich eingetroffenen Rettungsdienst zu übergeben, bis die Übungsleitung die Übung für beendet erklärte.

Anschließend wurden schnell einige Geräte weg geräumt und Fuß- und Radweg von Schläuchen etc. befreit. Dann ging es zu einer Besprechung der erkannten Fehler ins Gebäude. Dort gab es für alle Teilnehmer auch die Möglichkeit zur Betrachtung der inzwischen rauchfreien Räume mit den darin befindlichen Hindernissen. Abschließend mußten natürlich noch alle Gerätschaften wieder einsatzbereit gemacht, Schläuche entwässert und aufgerollt werden...

In der Realität wäre das Ganze etwas anders abgelaufen: Es wäre nicht nur ein Fahrzeug zu einem solchen Einsatz ausgerückt. Zumindest nach einer kurzen Zeit wäre die Besatzung des ersten LFs durch weitere Kräfte unterstützt worden. Dies geschah im Rahmen der Übung aber nicht einmal nach der Anforderung von Unterstützung. Und die Rettungsdienstfahrzeuge wären natürlich ebenfalls recht schnell eingetroffen, die Verletzen hätten den ersten Einsatzkräften schnell abgenommen werden können. Hinzu kamen Einschränkungen durch das Übungsobjekt und seine Lage: Eine Leiter durfte nicht eingesetzt werden und das Fahrzeug sollte weiter vom Objekt entfernt abgestellt werden, als dies sonst gemacht worden wäre. So aber wurden die Übungsteilnehmer unrealistisch hoch belastet. Insbesondere die körperlich stark belasteten Träger von Atemschutzgeräten hatten zusätzlich unter den hochsommerlichen Temperaturen zu leiden.

Während der Übung wurden die Kräfte übrigens auf englisch von Touristen angesprochen - Feuerwehrleute aus den USA waren darunter, die mit "just a training" beruhigt werden konnten. Sie hinterließen ein Ärmelabzeichen als Präsent und versprachen, gemachte Fotos zur Verfügung zu stellen.

Sie finden einen Bericht zu dieser Übung im Eimsbüttler Wochenblatt. Erreichbar ist er mit Hilfe des Links in diesem Absatz.

Fotos: Jörg Eckloff; Text: Norbert Kölln


Geben Sie dieser Seite eine Schulnote (1: sehr gut ... 6: sehr schlecht):