Bei den Befehlswagen (BFW) der Feuerwehr Hamburg handelt es sich um große Einsatzleitwagen (ELW 3), also um mobile Befehlsstellen. Die FF Eimsbüttel als Wehr mit einer Fernmeldekomponente fährt in Sonderfällen Einsätze damit. Beispielsweise, wenn eine der dafür vorgesehenen Wehren nicht zur Verfügung steht oder bei besonderen Einsätzen wie bei der Elbe-Flut im August 2002.

Am 29. und 30. Juni 2005 fanden an der Landesfeuerwehrschule Kurzeinweisungen in den zweiten neuen Befehlswagen der Feuerwehr Hamburg für Vertreter der Freiwilligen Feuerwehren mit Fernmeldekomponenten statt. Beim Basisfahrzeug handelt es sich um einen Mercedes-Benz O 550 ÜH Integro (Länge 12,4 m, Breite 2,5 m, Höhe 3,85 m; 6 Zylinder-Diesel-Reihenmotor OM 457 hLA, Hubraum 12 l, Leistung von 260 kW / 354 PS bei 2000 Umdrehungen pro Minute, Euro-Norm 3; Höchstgeschwindigkeit 100 km/h; Automatik-Getriebe; max. Gesamtgewicht 18 t; max. Anhängelast 3,5 t) des DaimlerChrysler-Tochterunternehmens EvoBus, der von der Firma Baumeister & Trabandt GmbH ausgerüstet wurde. Durch die Wahl des Fahrgestells und ein um 25 cm erhöhtes Dach ergibt sich mit 2,1 m eine größere Innenraumhöhe gegenüber dem 1. neuen Befehlswagen.

Der Befehlswagen ist räumlich unterteilt in den Fahrerraum (Fahrer- und Beifahrerplatz sind die einzigen Sitze, die für die Personenbeförderung zugelassen sind), den Unterstützungsbereich, den Besprechungsraum und den Funkraum. Betrieben wird er von maximal 21 Personen: Ein Truppführer, eine Person am Überwachungsarbeitsplatz, bis zu 14 Personen im Besprechungsraum und bis zu 5 Fernmelder.

Ausstattung des Fahrerraums: Autoradio mit 2 Lautsprechern im Fußraum (auch für Telefon, Funk), GPS-Navigationssystem (Monitor auch für Rückfahrkamera), Ladehalterung / Freisprecheinrichtung für Mobiltelefon, Funkgeräte 2m und 4m mit Doppelbediengerät Teledux 9 und Handapparat sowie Stabmikrofon, Fußtaster für Sondersignale, Bedienteil für das Blitzlauflicht am Fahrzeugheck, Helmfächer und Garderobenschrank mit je zwei Handlampen und Warnleuchten.


Vordere Eingangstür, Gegensprechanlage und Fahrerplatz (Klicken Sie Bilder für eine vergrößerte Anzeige an)

Im Unterstützungsbereich (unmittelbar hinter dem Fahrerraum gelegen) befindet sich ein Arbeitsplatz, vom dem aus die Komponenten des Fahrzeugs gesteuert und überwacht werden können (Stromversorgung, Beleuchtung, Außendisplay, Freigabe des Antennenmastes, SPS-Störmeldesystem, ...). Er ist mit einem PC und Telefon ausgestattet. Auch die Notruf- und Funkabfrageanlage Norumat 4000 ist hier untergebracht (steuert analoge und digitale Telefone, analoge und digitale Funkgeräte). Ferner gibt es hier Schränke, u. a. für Büromaterial, DECT-Telefone und Handsprechfunkgeräte. Hinzu kommen ein Kühlschrank und ein Kombigerät (Kopierer, Scanner, Fax, Drucker).


Arbeitsplatz zur Steuerung der Technik, Norumat 4000 und LED-Display (auch mit Laufschrift) zur Anzeige von Informationen

Der Besprechungsraum hinter dem Unterstützungsbereich kann an beiden Enden mit Schiebetüren verschlossen werden. In ihm befinden sich Sitzbänke (mit Stauraum darin), 5 Drehstühle und 3, durch Zwischenstücke miteinander zu verbindende Tische. An diversen Anschlüssen lassen sich u. a. mitgeführte Telefone in Betrieb nehmen. Eine Mithöreinrichtung ermöglicht das Abhören aller analogen und digitalen Funkkreise. Beschreibbare Magnettafeln verdecken die Fensterscheiben, zusätzlich ist ein Flip-Chart vorhanden. Ein unter der Decke installierter Beamer mit Leinwand dient zur Wiedergabe von Bildern aus unterschiedlichen Quellen (Video, DVB-T und -S, PC, Übertragung aus Hubschrauber).


Besprechungsraum, Beamer

Im Fernmelderaum im Fahrzeugheck wurde an der hinteren Ausgangstür eine Plattform installiert, mit der die Treppe abgedeckt werden kann. So entsteht dort etwas mehr Platz. Im Vergleich zum 1. neuen BFW gibt es einige Änderungen bei der Telekommunikationsanlage und im Einsatzdokumentationssystem EDS (Version 3.09; Protokollierung von Meldungen, Kräfteübersicht, Personen-Registrierung, Lagedarstellung, ...), das auf anderer Hardware läuft (jetzt Client-Server-Technik). Für die Anmeldung am EDS sind nun die Eingabe des Arbeitsplatzes, der Name des Benutzers und eine Gruppe (Leiter / Fernmelder) erforderlich. Bei den Stammdaten wurde z. B. das Alarmierungsstichwort "Übung" ergänzt. Die Arbeitsplätze sind mit Funkbedieneinheiten Teledux 9 für 2m- und 4m-Sprechfunkgeräte ausgestattet. Für die Funkgeräte und Telefonanschlüsse sind Handapparate mit Sprechtaste, Schwanenhalsmikrofone und kabellose Headsets mit Fußtaster vorhanden (Alternative: Sendetaste in der Bedienoberfläche der Touchscreens). Außerdem sind digitale Kurzzeitrekorder zur Aufzeichnung der Telekommunikation verfügbar, bei denen ein Funkuhr-Zeitsignal verwendet wird. Im Fernmelderaum befinden sich auch ein Inmarsat-Satellitentelefon, ein Multifunktionsgerät (Kopierer, Scanner, Fax, Drucker) und ein Patchfeld, mit dessen Hilfe sich die Verbindungen der einzelnen Funkgeräte zu den Antennen herstellen lassen. So könnte beispielsweise ein Gerät mit einer Antenne verbunden werden, die für die Montage auf einer Drehleiter vorgesehen ist.


Fernmelderaum mit 5 Arbeitsplätzen mit jeweils 2 Bildschirmen (EDS / Telekommunikation); Multifunktionsgerät

Am Heck wurde an den Aufnahmepunkten für Ski-Träger ein Heckträger angebracht (abklappbar für Arbeiten an Motor und Nebenantrieb). Er ist mit einem pneumatisch ausfahrbaren Teleskop-Antennemast (Höhe ca. 10 m), einer abklappbaren Leiter und einem klappbaren Podest, der Antenne (Kombination für 2m / 4m) und 2 Arbeitsscheinwerfern versehen. Außerdem befindet sich hier eine Rückfahrkamera.


Verkehrswarneinrichtung und Antennenträger mit Aufstiegsleiter und Plattform, Antennenmast mit roter Kennleuchte zur Kennzeichnung der Einsatzleitung

Auf dem begehbaren Dach befinden sich 2 durch Astabweiser geschützte Doppelblitz-Sondersignalanlagen der Firma Hänsch (vorn mit elektronischem Klangfolgesignal, Sprachdurchsagefunktion und Druckluftfanfaren der Firma Martin, hinten mit Blitzlauflicht zur Absicherung), seitlich je 2 Scheinwerfer für die Umfeldbeleuchtung mit daran montierten Astabweisern und Schutzbügeln zum Anlegen von Steckleitern (werden nicht mitgeführt) zum Besteigen des Daches, 2 Arbeitsscheinwerfer zur Beleuchtung des Daches, die serienmäßige Klimaanlage und diverse Antennen (5 Stück 2m/4m; 5 Stück D/E-Netz; Kombiantenne D-Netz/GPS/Tetra; 2 Stück DECT-Telefon; selbstausrichtende Satellitenschüssel; DVB-T-Stabantenne; Videoempfang; Autoradio; Zeitsignal; 2 Stück W-LAN; Inmarsat-Satellitentelefon).


Seitliche Umfeldbeleuchtung mit daran montierten Bügeln zum Anstellen von Leitern zum Besteigen des begehbaren Daches und serienmäßige Klimaanlage auf dem Dach

Weitere Technik ist in den Fächern untergebracht, die bei Reisebussen für das Gepäck dienen. Diese Staufächer sind z. T. klimatisiert (im Bereich der Server / Funkgeräte). Die Stromversorgung erfolgt über Außeneinspeisung 400 V, einen mittels Nebenantrieb betriebenen Stromerzeuger oder einen eingebauten Diesel-Stromerzeuger (SET, Camino 20 DS; 16 kVA Leistung; 400/230 V; Schallisoliert; mit eigener Starterbatterie; wird aus dem Fahrzeugtank versorgt; kann auch während der Fahrt z. B. für den Betrieb der Klimaanlage betrieben werden).


Geräteräume auf der Beifahrerseite (im vordersten auf dem rechten Foto u. a. Sanitätsmaterial, Feuerlöscher etc.; Stromeinspeisung, unterbrechungfreie Stromversorgung und Kommunikations-Patchfeld; Funkgeräte, Server und Netzwerk-Patchfeld)


Geräteräume auf der Fahrerseite (Batterien, Stromerzeuger, Stromversorgung, Kompressor, Sicherungen etc.)

Bis zur für den 4. Juli 2005 geplanten Indienststellung an der Feuer- und Rettungswache 22 (Berliner Tor) wurden noch Arbeiten an der Telekommunikationsanlage durchgeführt. So mußten beispielsweise noch die Fax-Anbindung an das EDS realisiert und ein Multifunktionsgerät (Fax-Funktion) angepaßt werden. Für den Einsatz von digitalen Funkgeräten (auch parallel zur analogen Technik) wurden von vorn herein Platzreserven gelassen und bereits Anschlüsse installiert.

Das Vorgängerfahrzeug wird an der Landesfeuerwehrschule stationiert. Es soll nach den ersten Erfahrungen mit dem neuen BFW Ende 2005 / Anfang 2006 nachgerüstet werden und erhält dann z. B. neue Hardware.

Fotos und Text: Norbert Kölln


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