"Erst nach einer Stunde konnte die Feuerwehr den Fahrer aus seinem Fahrzeug befreien" - so einen Satz findet man in Zeitungsartikeln zu schweren Verkehrsunfällen immer wieder. Geht das denn nicht schneller? Häufig schon, aber es ist nicht unbedingt sinnvoll.

Wenn die Situation es zulässt, wird die Rettung schonend - patientengerecht - durchgeführt. Das Fahrzeug wird dabei so wenig wie möglich bewegt, denn eine eingeklemmte Person hat mit verletzen Körperteilen direkten Kontakt zum Fahrzeug und ihr sollen keine Schmerzen oder weitere Verletzungen durch unnötige Bewegungen zugefügt werden. Behutsames Arbeiten ist also angesagt. Stress und Hektik bei den Einsatzkräften würde sich auf Unfallopfer übertragen und so den Allgemeinzustand verschlechtern, deshalb sollte die Rettungsaktion möglichst ruhig ablaufen.


Simulation eines Verkehrsunfalls mit eingeklemmten Personen (Klicken Sie eines der Bilder an, wenn Sie es in größerem Format ansehen wollen)

Bei der am Samstag, dem 28.10.2006 durchgeführten Übung der FF Eimsbüttel trafen die Einsatzkräfte auf eine "Sonderlage": Ein verunglückter PKW stand nicht auf seinen Rädern, sondern lag auf der Fahrerseite auf einer Straße. Schnell wurde die Lage vom Einsatzleiter erkundet: Es befanden sich zwei Personen im Wagen (dargestellt von Pflegekräften eines Krankenhauses), die wohl nicht angeschnallt waren und deshalb nun aufeinander lagen. Die Heckklappe war offen und als Zugang zu den Verletzten nutzbar.


Von außen erkennbar: 2 Personen im verunfallten Fahrzeug

Für die weitere Erkundung und Erstversorgung kroch eine Einsatzkraft durch die Heckklappe in das Fahrzeug und öffnete das vorhandene Schiebedach. So konnten auch weitere medizinische Maßnahmen durchgeführt werden und eine durchgängige Betreuung sowie Kontrolle während der folgenden Arbeiten wurde möglich.


Die Heckklappe wird als Erstzugang genutzt

Zur Absicherung der Einsatzstelle gegen den fließenden Verkehr wurden die beiden eingesetzten Löschfahrzeuge vor bzw. hinter dem Unfallfahrzeug aufgestellt, auch Blitzleuchten und Verkehrsleitkegel kamen zum Einsatz. Wegen der angenommenen Brandgefahr wurden Pulverlöscher, Schnellangriffsrohr und ein Schaumrohr vorbereitet und besetzt. Diese Maßnahmen erfolgten parallel zu den weiteren Aktivitäten: Das Fahrzeug wurde gesichert. Mit Kanthölzern, Holzkeilen und Leiterteilen wurden ein Umkippen, aber auch leichtere Bewegungen verhindert.


Maßnahmen für den Brandschutz laufen an, Material für die Fahrzeugsicherung liegt schon bereit

Simuliert wurde auch die notwendige Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst. Von diesem kamen Unterstützung und Anweisungen für die Stabilisierung der Verunfallten. Der angenommene Erfolg dieser Maßnahmen ließen dann eine patientengerechte Rettung zu.


Beide Personen werden zunächst noch im Fahrzeug versorgt

Für die weiteren Arbeiten wurden zunächst die Heckklappe abgeschnitten und die Frontscheibe sowie die oben liegenden Seitenscheiben entfernt. Dann wurden die A-, B- und C-Säule auf der Beifahrerseite mittels Hydraulikschere durchtrennt. So konnte das Dach auf die Straße heruntergeklappt werden und es entstand eine große Öffnung für weitere medizinische Maßnahmen und zur Befreiung der Personen.


Die Arbeiten sind im vollen Gange

Nach der angenommenen weiteren Versorgung durch den Rettungsdienst noch im Fahrzeug wurden die Verletzten mittels erst kurz zuvor ausgelieferten Rettungsbrettern herausgehoben und zu imaginären Rettungswagen gebracht.

Fotos: Jörg Eckloff
Bericht: Norbert Kölln


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