Die Feuerwehr Hamburg spendet ein LF 16 "HANSA" an die Feuerwehr in Varna in Bulgarien. Varna ist Partnerstadt des Bezirkes Eimsbüttel. Die Feuerwehr Varna benötigt wegen schlechter Wasserversorgung dringend ein wasserführendes Löschfahrzeug. Nähere Informationen zu diesem Fahrzeugtyp können der in diesem Satz verlinkten Seite mit der Beschreibung eines ehemaligen LFs der FF Eimsbüttel entnommen werden.
Das Fahrzeug wird, wie das Löschfahrzeug, das bereits in Herbst 2004 nach Varna überführt wurde
(siehe Bericht aus 2004), von 2 Kameraden
der FF Eimsbüttel per Straße nach Varna gebracht.
Die Fahrstrecke geht über Tschechien, Slowakei, Ungarn und Rumänien und beträgt ca. 2200 km, teilweise über sehr
abenteuerliche Straßen.
Abfahrt ist am Samstag den 9.9. um 6:00 Uhr vom Feuerwehrhaus der FF Eimsbüttel. Die Mannschaft hofft, am Montag-Abend in Varna einzutreffen. Für Dienstag ist dann die feierliche Übergabe des Fahrzeugs an die Feuerwehr Varna geplant. Die Kameraden kommen am Freitag wieder zurück.
Gerdhard Mögling
Lesen Sie zu dieser Aktion auch den folgenden Reisebericht.
Ein Löschfahrzeug für Varna
Jörg Eckloff, Frank Kremer und Horst Stadelmann überführten ein Löschfahrzeug LF 16 Hansa, Typ 1019, Bj. 1983, von Hamburg-Eimsbüttel in die bulgarische Hafenstadt Varna.
Auch wenn die Fahrt bereits zum zweiten Mal unternommen wurde, heißt es nicht, dass es diesmal schneller und bequemer ging...
Um 6.00 Uhr verließen wir das Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Eimsbüttel um über die A7 und A2 in die Tiefen Sachsens vorzudringen.

Erst hier wurde die bisher nur durch ein gutes Frühstück auf dem Autohof Peine, aber ansonsten wenig abwechslungsreiche Fahrt, zumindest landschaftlich interessant. Der Weg führte bei strahlendem Sonnenschein über das östliche Erzgebirge und die Orte Dippoldiswalde und Altenberg zur tschechischen Grenze. Die Fahrt war zugleich beruhigend und unterhaltend.
Die Schäden, die im Jahre 2002 durch das verheerende Hochwasser in dieser Region hinterlassen wurden, waren an manchen Stellen immer noch sichtbar.
Gegen 15.00 Uhr erreichten wir die Grenze nach Tschechien. Die Autobahnvignette war schnell gekauft, die Formalitäten zügig erledigt und die Fahrt konnte weitergehen.
Im Ort Dubi, einige Kilometer jenseits der Grenze, wird der Grenz-Verkehr offenbar falsch verstanden. Die Straßen werden von Prostituierten gesäumt, die hier ungeniert ihrem Gewerbe nachgehen. Links und rechts der Straße stehen zahlreiche Strip-Bars, Tanzlokale und andere einschlägige Etablissements.
Erst in der Dämmerung erreichten wir die Stadt Brünn und hatten damit am ersten Tag rund 890 km zurückgelegt. Ein gutes Ergebnis!
Die Suche nach einer Unterkunft war allerdings schwieriger als erwartet, denn einige Hotels in unserer Preiskategorie waren ausgebucht, andere zu teuer. Das Hotel "Voronez", das wir erst in der Dunkelheit fanden, war ein wuchtiger, hellhöriger Plattenbau aus alten Zeiten. Die Mitglieder der japanischen Reisegruppe, die mitten in der Nacht auf ihrem Weg durch Europa hier einkehrten, waren leider nicht besonders müde...
Um 8.00 Uhr am nächsten Morgen stiegen wir in das Löschfahrzeug und fuhren weiter. Schon nach kurzer Zeit waren wir an der tschechisch/slowakischen Grenze.
Grenzformalitäten gab es glücklicherweise keine und wir verzichteten angesichts der nur kurzen Strecke durch die Slowakei (etwa 80 km) auf den Erwerb einer weiteren Autobahnvignette.
Kurz nach 10.00 Uhr war die ungarische Grenze erreicht. Auch hier zeigten sich die Grenzbeamten eher unbeeindruckt ob des roten Fahrzeuges, fragten dann aber doch wohin wir wollten und ob es in Bulgarien ein Feuer gebe.
Die rund 360 km lange Autobahnstrecke durch Ungarn ist eher eintönig. Die Straße befand sich aber in einem guten Zustand. Die Umgebung war flach und überschaubar - genau wie es der Norddeutsche liebt!
Auf die Grenzüberquerung Ungarn/Serbien muss etwas näher eingegangen werden. Nicht nur deshalb, weil wir die Europäische Union verließen, sondern wegen der grotesken Abwicklung, die sehr an Carl Zuckmayers "Hauptmann von Köpenik" erinnerte.
Aber von Anfang an: Der Grenzübertritt beginnt immer gleich, nämlich mit dem aushändigen der drei Pässe an den Zöllner.
Ein Blick des Zollbeamten reichte und er hatte erfasst, dass wir keine Zollkennzeichen am Fahrzeug führten, sondern quasi Ausflügler waren. Durch das kleine Fenster seiner Amtsstube bat er um die "Grüne Versicherungskarte". Da das Löschfahrzeug auf die Freie und Hansestadt Hamburg zugelassen war, konnte die begehrte "Grüne Versicherungskarte" nicht vorgewiesen werden.
Es wurde von dem Mann in grün ein Pass durch das Fenster zurück gereicht, mit dem Befehl, das Fahrzeug gleich neben der Amtsstube abzustellen. Dann sollte eine Versicherung (Grenzpolice) abgeschlossen werden, andernfalls würde die Einreise verweigert. Vorsichtshalber behielt der Zöllner die anderen beiden Pässe und erzwang damit unsere Rückkehr.
Das Löschfahrzeug wurde geparkt, um sofort von einem anderen Zöllner wieder vertrieben zu werden, weil es an der zugewiesenen Stelle nicht stehen durfte. Hier waren sich die serbischen Zoll-Kollegen uneins. Das Spiel wiederholte sich drei Mal bis das Auto endlich seinen Parkplatz behalten durfte.
Inzwischen suchten wir das Gebäude auf, in der sowohl Polizei, Versicherung, Wechselstube als auch ein Speditionsbüro ihre Heimstätte hatten.
Die Dame in dem Versicherungsbüro saß in ihrer schwarzen Sitzgruppe und war gerade im Begriff einzunicken, als wir um Aufmerksamkeit baten. Sie erfasste die Situation sofort und suchte uns die kostengünstigste Police heraus. Ganze 21.000 Jugoslawische Dinar sollte die Versicherung kosten. Dies entsprach 265,00 Euro! Das ungläubige Staunen in unseren Gesichtern wurde mitleidlos mit dem Hinweis auf die Wechselstube erwidert.
Es wurde die EC-Karte gezogen und dem Wechselstubenangestellten ausgehändigt. Die EC-Karte kam postwendend zurück. Sie wurde nicht akzeptiert!
Glücklicherweise fand sich noch eine Kreditkarte an, so dass wir wieder Oberwasser gewannen. Während der moderne Automat hinter dem Tresen die erfoderliche Summe ausspuckte, verlangte der Mensch hinter der Scheibe als zusätzliche Sicherheit den Pass des Kreditkartenbesitzers. Genau dieser Pass lag nun aber im ca. 400 m entfernten Zollhäuschen. Wilhelm Voigt lässt grüßen...
Nach Erledigung aller Formalitäten mussten wir noch ein paar Minuten warten ehe die Fahrt fortgesetzt werden konnte. Die Autobahn war gesperrt, weil jeden Augenblick der ungarische Präsident mit seinem Gefolge von einem Staatsbesuch aus Serbien zurück erwartet wurde.
Bis Belgrad war die Landschaft flach wie in Ungarn. Wir fuhren in die Dämmerung hinein. Beim Überqueren der Brücke über die Donau bot sich ein idyllisches Bild. In der Nähe von Novi Sad dümpelte ein kleines Boot die Donau flussaufwärts in die untergehende Sonne...
Ab Belgrad fuhren wir auf dem berüchtigten Autoput. Der Autoput ist bis heute die wichtigste Verkehrsverbindung von Mittel- nach Südosteuropa und wird daher häufig von türkischen Gastarbeitern genutzt, die in Deutschland arbeiten. Obwohl Autoput nichts anderes meint als Autobahn, hinkt der Vergleich mit einer deutschen Autobahn erheblich.
Nachdem wir Belgrad hinter uns gelassen hatten, es war etwa 20.00 Uhr und stockdunkel, mussten wir allmählich nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen. Gepflegte Hotels waren entlang der Strecke nicht mehr vorzufinden.
Wir steuerten zunächst ein spärlich beleuchtetes Motel an. Es war schon in der Dunkelheit nicht besonders einladend, wie mochte es bloß am Tag aussehen...? Ein beleuchtetes Zimmer, in das wir mühelos hineinschauen konnten, erleichterte unseren Entschluss. Entweder wir fanden etwas Besseres oder wir übernachten im Auto!
Kurze Zeit später fanden wir ein weiteres Motel. Um es kurz zu machen: Wir sind geblieben.
Am anderen Morgen fuhren wir zeitig nach dem "Frühstück" (4 Brötchen?!? Der Mokka hätte Tote aufgeweckt) auf dem Autoput Richtung Nis (sprich: Nisch).
In Nis verließen wir den Autoput, um durch die Berge zur serbisch/bulgarischen Grenze zu gelangen. Recht genau 100 km war dieser Abschnitt lang.
Gegen 11.00 Uhr erreichten wir die Grenze. Ohne die Möglichkeit etwas zu essen oder trinken zu besorgen sowie sanitäre Anlagen aufzusuchen, warteten wir -die Grenze ca. 500m vor Augen- 9 (in Worten: neun) Stunden bis wir die Grenze hinter uns lassen konnten.
Die Ursache für das lange Warten lag nicht an den serbischen Grenzern...
Jetzt waren es nur noch ca. 6 Stunden bis zu unserem Bestimmungsort Varna. Diese nächtliche Fahrt wurde nur noch von einem kurzen Zwischenstopp in Sofia für einen kleinen Imbiss unterbrochen.
Um 4.20 Uhr nach 2441 km erreichten wir mit einem defekten Rohr am Ausgleichsbehälter der Kühlung Varna.


Das Fahrzeug wurde auf einem Stellplatz wegen der Abwicklung weiterer Zollformalitäten geparkt.
Wir wurden ins nahegelegene St. Constantine-Seebad gefahren und konnten endlich ein paar Stunden ruckelfrei schlafen.
Um 14.15 Uhr sind Frank und ich zur dortigen Feuerwehr abgeholt worden, um denen das LF vorzuführen.
Im Vordergrund stand "Saugen aus offenem Gewässer" mit der eingebauten Pumpe.
Während des Saugens ertönte ein lauter Alarmton aus dem LF. Das Fahrzeug wurde zu heiß und wir stellten den Motor erst mal ab.
Kurzer Hand kippten wir die Fahrerkabine nach vorne und stellten den Fehler fest, das defekte Rohr am Ausgleichsbehälter der Kühlung war gerissen, da sprudelte das Wasser heraus. Da sich die Bulgaren in Reparatur von älteren Geräten wunderbar auskennen, wurde das Leck schnell geflickt.



Am Donnerstag war dann offizielle Übergabe des Löschfahrzeuges an den Oberbürgermeister in Varna. Die Freude des Oberbürgermeisters und der Feuerwehr war ersichtlich.

Von dem ersten LF 16-TS (BUND, Magirus F 130 D 9 A) vom Baujahr 1984 wurde ebenfalls mit Freude berichtet. Das Fahrzeug wird in erster Linie bei Unwetter-Einsätzen eingesetzt. In den vergangenen 2 Jahren hätte die Pumpe über 300 Stunden Pumpenleistung erbracht.
Am Freitag um 11.00 Uhr sind wir alle drei heil und sicher auf dem Flughafen Hamburg gelandet.
Bericht: Jörg Eckloff (FF Eimsbüttel) und Horst Stadelmann (Bezirksamt Eimsbüttel)