Man hat getüftelt, geschraubt, geplant, gebaut, gesucht und gefunden. Alles für diesen einen Moment:

Es ist etwa 16 Uhr an diesem noch weitgehend sonnigen und warmen Herbsttag Ende September, als sich nach und nach immer mehr FFler im Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Eimsbüttel einfinden. Es ist mal wieder ein 24-Stunden-Dienst für die Jugendfeuerwehr angesetzt, an dem die Jugendlichen, wie bei der Berufsfeuerwehr, das Feuerwehrhaus durchgehend 24 Stunden lang besetzen und zu unterschiedlichsten Übungslagen im ganzen Einsatzgebiet alarmiert werden. Doch dieses Mal gibt es einen kleinen Unterschied zu den vorherigen 24-Stunden-Diensten: Denn heute wird die FF ebenfalls ein Teil der Übungen mit fahren.

Doch zuallererst müssen bis zum offiziellen Beginn um 17 Uhr noch einige Vorbereitungen getroffen werden. Schon in den Tagen zuvor wurden über 100m Steuerleitung in der Wache verlegt, um die nachgebauten BF-Tableaus, die im Unterrichtsraum, dem Flur und der Fahrzeughalle angebracht sind, mit der sich gerade im Aufbau befindenden Einsatzzentrale im GW-FM zu verbinden. Die Übungsleitung spricht noch einmal kurz die ersten Lagen durch, während andere schon mit dem Mischen von Öl aus Spülmittel, Kakao und Wasser für eine "Öl-Spur-Übung" am nächsten Tag beschäftigt sind.

Schon tauchen die ersten JFler bepackt mit Reisetaschen, Iso-Matten und Schlafsäcken vor der Wache auf, doch noch ist für sie kein Einlass. Die Uhr tickt. Es ist 17 Uhr und somit befinden wir uns in der Alarmzeit. Doch zuerst werden wir noch Zeugen, wie die JFler mit ihrem halben Hausstand in die Wache pilgern und von ihren Betreuern in den Jugendfeuerwehrraum geleitet werden um ihre "City-Survival-Ausrüstung" dort vorübergehend abzustellen.

Gerade kehrt wieder ein wenig Ruhe ein, da sich die JF zur Besprechung in den Ausbildungsraum zurückzieht, als der erste Alarm ertönt und sich alle noch halb unvorbereitet zu den Tableaus umdrehen, um zu sehen, welchen Fahrzeugen der Alarm galt. Es ist ein Vollalarm, sodass auch wir FFler uns schnell zu den Fahrzeugen aufmachen, uns unsere Schutzbekleidung überwerfen und kurze Zeit später mit dem LF 16/12 als viertes Fahrzeug, nach dem KLF (einem geliehenen ELW), einem "Rettungswagen" (einem Kleinbus der JF Hamburg) und dem zweiten Löschfahrzeug (LF 16-KatS) in den Jaguarstieg aufbrechen - heute gebührt der JF der Vortritt. Dort angekommen stellt sich jedoch heraus, dass unser werter Herr Wehrführer nur Wasser auf seinem Herd hat anbrennen lassen ... doch Dank des heldenhaften Einsatzes eines Jugendfeuerwehrmitgliedes konnte die Gefahr schnell gebannt werden.

Nachdem es zu Anfang der Übung noch einige Schwierigkeiten und Unklarheiten bezüglich der abzusetzenden Statusmeldungen gegeben hatte, wussten nach diesem Einsatz selbst die Neulinge so ziemlich alles, was es wissenswertes zu den (neuen) Statusmeldung gibt.

Der nächste simulierte Alarm, diesmal nur für uns FFler, war ein FEUBMA - Feuer, Brandmeldeanlage. Wie sich herausstellen sollte, in einem Altenheim. Im Endeffekt war der Alarm nur durch einen angeblich defekten Feuermelder ausgelöst worden, doch war es auch Ziel gewesen, den 24h-Dienst möglichst realistisch zu gestallten, sodass auch einige Fehlalarme im Programm integriert waren. Und hier konnte die Orientierung in einem komplexen Gebäude an Hand der in einer Brandmeldezentrale hinterlegten Lagekarten geübt werden.

Die "dicken Lagen" sollten für uns erst am nächsten Tag kommen. Sowieso stand nun erst mal Abendessen an und danach verließen uns auch schon die meisten Kameraden, denn die Nacht sollte dem Nachwuchs gehören, der in der Tat noch einige kleinere oder größere Lagen fuhr.


00:25, PKW-Brand mit einer verletzten Person

Wir restlichen Helfer dagegen richteten uns mit Fernseher, Stühlen, Chips und allem, was man sonst noch brauchen konnte, auf einen Filmeabend in der Fahrzeughalle ein, der nur noch dann und wann von durch die Halle laufenden JFlern unterbrochen wurde, die zu einer neuen Übungslage alarmiert worden waren.

Die Nacht schritt fort und die JFler hatten sich im Unterrichtsraum zur Ruhe gelegt, während wir uns mit Filmen wach hielten oder uns in die Küche zurückzogen, um von dort aus in Ruhe übers Internet die Welt zu entdecken. Andere wiederum sahen ihre Erfüllung an diesem Abend in dem Studium von Landkarten. So fand jeder seinen Weg sich die Stunden zu vertreiben, bis nach und nach sich immer mehr einen Schlafplatz suchten, sei es im LF oder auf der Ladenfläche unseres "RTW".

Doch wie sollte es anders sein, wir waren gerade alle mehr oder weniger eingeschlafen, als um kurz nach drei unsere Melder sich piepend und vibrierend unsere Aufmerksamkeit sicherten: Feuer - nur diesmal in Realität.

Klicken Sie auf den roten Knopf des dargestellten DME, um sich die jeweils nächsten Zeilen der Meldung anzusehen, mit der wir alarmiert wurden.   

Die Nacht endete für viele von uns sehr abrupt am nächsten Morgen, als um punkt sechs Uhr der RTW, der vieren von uns als Bett diente, alarmiert wurde. ... Schon blöd, wenn einem plötzlich das Bett davon fährt ...

Später, nachdem der eine oder andere von uns sich bereits als Opfer für eine der JF-Übungen zur Verfügung gestellt hatte, bzw. die Übungen mit vorbereitet hatte, ging es gemeinschaftlich im KLF zur Bundestagswahl. Gerade so, dass wir pünktlich um 11 Uhr wieder an der Wache waren und wieder Übungen mit fahren konnten: Mal ging es zu einem FEUY - Feuer, Menschenleben in Gefahr - in einen Bunker an der Satoriusstraße, um ein spielendes Kind im Räumegewirr des großen, brennende Gebäudes wieder zu finden. Oder zu einem THY - Technische Hilfeleistung, Menschenleben in Gefahr - bei dem eine Familie gemeint hatte, gegen einen Baum fahren zu müssen. Oder zu einigen anderen weiteren Lagen mehr. Gekrönt wurde der Tag von einem THFLUG3R (Flugunfall), der aber, wie auch meist in der Realität, zum Glück glimpflich ausging, sodass wir gemütlich zur Wache zurückfahren konnten.


Eine Person wird aus einem "verunglückten" PKW befreit

Es waren die ersten Übungen dieses Ausmaßes gewesen, die wir zusammen mit der Jugendfeuerwehr gefahren sind und wenn man sich die Resonanz anhörte, war diese meist sehr positiv. Und viele waren überrascht, was die Jugendfeuerwehr bereits zu leisten im Stande war - auch wenn natürlich nicht immer alles perfekt gelaufen war.

Für uns alle war das Wochenende ein sehr schöner unterhaltsamer Spaß, auch wenn es nur "Übungen" waren. Außerdem stellte es eine schöne Abwechslung zu den klassischen Einsätzen "Essen im Topf" oder "Wasser auf Straße" dar.

Am Ende ist es jedoch an uns allen, uns bei den Kameraden zu Bedanken, die diesen Dienst ermöglicht haben. Allen voran jedoch bei Jörn Rüffer, Jörg Eckloff, Tim Korves und Michael Pflaum, sowie natürlich den helfenden Händen vom Förderverein.

Siehe auch: Liste der Übungseinsätze, Danksagung und Fotogalerie auf der Webseite unserer JF unter www.jf-eimsbuettel.de.

Text: Tobias Moll
Fotos: Oliver Seymer


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