Die Informationen kamen sehr kurzfristig und waren spärlich: Die FF Eimsbüttel solle an der internationalen Übung "Audrey 2010" beteiligt sein, 2 Kameraden mit dem GW-FM der Wehr sowie einem der Anhänger "Führung und Lage" der Feuerwehr Hamburg für 2 Tage teilnehmen und die Technik vor Ort betreiben. Mit dem Gespann und dem Zelt des GW-FM (SG 300) wäre eine Technische Einsatzleitung (TEL) für die örtlichen Kräfte aufzubauen. Nähere Angaben - außer dem Zeitraum und dem Hinweis, für die Übung würden die Digitalfunkgeräte des Fahrzeugs umprogrammiert werden - gab es nicht. Inbesondere Übungsinhalt und -ort wurden nicht verraten.

Gestern, am Mittwoch, dem 31.03.2010, trafen wir uns morgens um 4 Uhr am Feuerwehrhaus und fuhren mit dem GW-FM zunächst zur Feuerwehrakademie Hamburg. Dort übernahmen wir den benötigten Anhänger, erfuhren den Treffpunkt für die Vorbesprechung zur Übung und erhielten Kartenmaterial. Näheres blieb weiterhin im Dunkeln.
Nach mehreren Stunden Fahrt, unterbrochen von einer Frühstückspause, erreichten wir den Ort, an dem wir endlich in die Übungssituation eingewiesen wurden: Geübt werden solle der Einsatzablauf bei einer mit ausreichend Vorlaufzeit angekündigten Notlandung eines Flugzeugs auf einer Autobahn.
In der Vergangenheit waren Teile von Autobahnen als provisorische militärische Flugplätze vorgesehen. Dort gab es dann keine Brücken oder andere Hindernisse, der Mittelstreifen war asphaltiert und mit schnell demontierbaren Leitplanken versehen, der Verlauf über einen ausreichend langen Bereich gerade. Eine solche Anlage entstand auf einem Autobahn-Teilstück, das nie fertig gestellt wurde. Trotzdem ist es auch heute noch in einem guten Zustand, da es immer wieder mal für Filmaufnahmen genutzt und dann entsprechend gepflegt wird. Genau hier würde am nächsten Tag das Ganze durchgespielt werden. Dazu solle eine militärische Transportmaschine tatsächlich auf dem vorgesehenen Notlandeplatz landen.
Wegen der Beteiligung des Militärs (und um die Anwesenheit von Schaulustigen zu vermeiden) wurden wir angewiesen, den Übungsort geheim zu halten - und das auch noch nach Abschluss der Übung.

Nach der Vorbesprechung ging es für uns und andere Übungsteilnehmer (Bundeswehr, Bundespolizei, THW, Rettungsdienst, Autobahnmeisterei, Feuerwehr-Führungskräfte) im Konvoi zum Übungsort. Dort waren bereits Einheiten der Bundeswehr tätig, zusätzlich auch welche der US-Streitkräfte. Für uns hieß es, einen Experten die angekündigten Änderungen an den Funkgeräten durchführen zu lassen, uns an die Stromversorgung des THW anschließen zu lassen, mit einigen Helfern des THW die TEL für die BOS-Einheiten aufzubauen (ohne Zelt) und sie zunächst für eine Einweisung des Stabes sowie der Fernmelder der örtlichen Kräfte in Betrieb zu nehmen.

Danach war es schon dunkel geworden und für uns war Feierabend. Das Gespann blieb vor Ort, wir wurden mit einem MTW in einen Dorfgasthof befördert. Dort waren außer uns nur noch einige hochrangige Bundeswehrangehörige untergebracht. Der Versuch, mit ihnen über das Geschehen ins Gespräch zu kommen, scheiterte leider. So nutzten wir den restlichen Abend, um diesen Bericht vorzubereiten.
Kurz bevor am nächsten Morgen zu einer unmenschlichen Zeit unsere Wecker klingeln sollten, wurden wir durch das Geheul der Sirene auf einem Nachbargebäude geweckt. Wie wir später erfuhren, wurden zu diesem Zeitpunkt die an der Übung beteiligten örtlichen Feuerwehren alarmiert.
Nach dem Frühstück wurden wir wieder zu unserem Fahrzeug transportiert. Die Technik war schnell in Betrieb genommen und getestet. Danach zogen der Stab und die Fernmelder bei uns ein. Wir wurden - außer zur Klärung einiger Detailfragen - nicht wirklich gebraucht. Von dem Geschehen bekamen wir auch nicht viel mit, da wir etwas abseits standen. Aber wir konnten kurz nach Sonnenaufgang zumindest das Flugzeug einschweben sehen und fotografieren.

Danach passierte nichts Aufregendes mehr. Es wurden keine Probleme eingespielt, offenbar wurde nur der Idealfall einer Landung geprobt. Zumindest auf der BOS-Seite blieb es ruhig. Was bei der Bundeswehr und den Amerikanern ablief, konnten wir nicht beobachten.
Der Stab löste sich dann sofort wieder auf, die Fernmelder verschwanden auch. Und wir durften abbauen, wieder durch einige THWler unterstützt. Parallel dazu wurden unsere Funkgeräte wieder in den Ausgangszustand gebracht. Danach ging es zu einer Nachbesprechung. Und die brachte neben Worten des Lobes für den reibungslosen Ablauf der Übung Informationen, die uns wirklich überraschten: Hier ging es eigentlich um eine unwahrscheinliche, aber mögliche Landung eines Space Shuttles!
Die NASA hatte das Ende des Space Shuttle-Programms für das Jahr 2010 festgelegt. Doch dann wurde über eine Verlängerung nachgedacht, worauf nicht alle Beteiligten vorbereitet waren. Und beteiligt ist auch die Bundesrepublik Deutschland, die mit den Flughäfen Köln/Bonn, München und dem Luftwaffenstützpunkt Ingolstadt-Manching 3 der über die ganze Welt verteilten Notlandeplätze stellt (siehe de.wikipedia.org/wiki/Space_Shuttle#Landung). Doch auf dem Flughafen Köln/Bonn sollen Umbaumaßnahmen durchgeführt werden, mit denen man noch bis zum Ende der zugesicherten Nutzbarkeit als Notlandeplatz wartet. Danach lassen die engen Zeitpläne aber keinen Spielraum mehr und die benötigte besonders lange Start- und Landebahn wird nur noch eingeschränkt verwendbar sein.
Deshalb muss für eine Alternative gesorgt werden und so sei es zur Überlegung gekommen, diesen ohnehin vorhandenen Notlandeplatz zu reaktivieren und zu erproben. Die benutzte Frachtmaschine sei zwar größer als ein Shuttle, was aber mögliche Platzprobleme deutlich werden lasse. Gleichzeitig wäre sie aber besser steuerbar und könne dank ihres Antriebs während der Übung den Anflug auch abbrechen und weiterfliegen.
Diese Informationen beantworteten auch gleich die Fragen, warum US-Militärs an der Übung beteiligt waren und warum unter den herumstehenden Fahrzeugen auch eines der NASA war, worüber wir uns sehr gewundert hatten. Wir haben nach der Abschlussbesprechung auch noch kurz mit dem Leiter der Aktion auf Seiten der NASA sprechen können, Dr. Eric Oughsteyn. Aber mehr zu den Planungen konnte oder wollte er uns nicht verraten. Immerhin konnte er uns den Übungsnamen "Audrey" erklären. Er entstammt dem Musical bzw. Film "Little Shop of Horrors" / "Der kleine Horrorladen". Audrey II ist darin eine Pflanze aus dem All.

Nun haben wir noch etwas Zeit bis zum 2. Frühstück. Danach machen wir uns auf die Heimreise. Inzwischen haben wir in der Wartezeit diesen Bericht um die Beschreibung des heutigen Tags ergänzt und stellen ihn schon von hier aus online.
Frank Kremer, Norbert Kölln