Sonderpostwertzeichen "800 Jahre Hamburger Hafen"

Klicken Sie auf diese Grafik, um sie im Großformat anzusehen! Herausgegeben wurde die 60 Pfennig-Briefmarke der Deutschen Bundespost mit der Michel-Nummer 1419 (Klicken Sie auf die dargestellte Marke oder diesen Link, um sie im Großformat anzusehen!) am Freitag, den 05.05.1989 anläßlich des 800. Geburtstages des Hamburger Hafens. Historischer Hintergrund: Am 07.05.1189 erhielt Hamburg von Kaiser Barbarossa die Zollfreiheit und das Marktrecht, Grundlagen für die Entwicklung des Elbehafens.

Hergestellt wurden die Marken im Mehrfarben-Offsetdruck-Verfahren (5*10) bei der Bundesdruckerei Berlin auf gestrichenem weißen fluoreszierenden Postwertzeichenpapier DP 2. Sie haben eine Größe von 43*25,5 mm und weisen eine Kammzähnung 14 auf. Die Auflage betrug 35.000.000 Stück, wovon 454.200 auf dem Ersttagsblatt der Deutschen Bundespost mit der Nummer 14/1989 (Produktion ebenfalls durch die Bundesdruckerei Berlin) abgegeben wurden.

Gestaltet wurde die Briefmarke von Wolfgang Philipp Seiter (Weingarten). Sie zeigt das Löschboot (LB) "Branddirektor Kipping", Wasserfontänen aus mehreren Wasserwerfern und Strahlrohren abgebend, wie Löschboote bei jedem Hafengeburtstag in Hamburg zu beobachten sind. Auf dem Ruderhaus ist die Reling zu erkennen, dahinter die leicht aufgerichtete Löschbrücke (vergleiche Skizze). Hinter dem LB ist ein Schiff der HAPAG zu sehen, gezogen von Schleppern (davon 2 teilweise im Bild). Der linke der sichtbaren Schlepper ist über die Toppen beflaggt, d. h. von vorn über die Masttoppen bis nach hinten festlich mit allen vorhandenen Flaggen geschmückt. Im Hintergrund sind u. a. der Turm der St. Michaelis-Kirche (Barockkirche "Michel", erbaut 1751-62, Wahrzeichen Hamburgs; www.st-michaelis.de), ein Großsegler und am rechten Rand ein Gebäude der Speicherstadt zu sehen. Das Ursprungsdatum eines zugrundeliegenden Fotos konnte nicht ermittelt werden.

Ersttagsstempel Der Ersttagsstempel zeigt einen doppelten Poller, auf dessen rechten Hälfte eine Möwe sitzt und dessen beide Teile mit einer Leine belegt sind (Kreuzschläge in Achtform). Auch der Stempel wurde von W. P. Seiter entworfen.

Am Ausgabetag wurden die Erstdrucke vom damaligen Präsidenten der Oberpostdirektion Hamburg, Dipl.-Ing. Alfred Meier, an Bord der "Branddirektor Kipping" an den damaligen Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Henning Voscherau, übergeben.


Friedrich Wilhelm Kipping

Branddirektor Kipping Friedrich Wilhelm Kipping wurde am 12.06.1831 in Breslau geboren. Er war Reserveoffizier und Bauführer, bevor er sich für den Dienst bei der Feuerwehr entschied. Seine Ausbildung begann er 1862 in Berlin, 1864 trat er eine Brandmeisterstelle in Danzig an. 1870 wurde er Leiter der Feuerwehr Danzig.

Als 1871 die neugeschaffene Stelle des "Dirigenten" der zu gründenden Berufsfeuerwehr Hamburg ("permanentes Corps") ausgeschrieben wurde, bewarb sich Kipping erfolgreich. Er trat seinen Dienst am 01.03.1872 zunächst als "Oberspritzenmeister" an und stellte Personal ein, richtete drei Feuerwachen ein, beschaffte Ausrüstungen und ließ eine Feuermeldeanlage einrichten. Bereits am 12.11.1872 konnte die Berufsfeuerwehr Hamburg so ihre Tätigkeit aufnehmen - als 17. deutsche Berufsfeuerwehr mit Kipping als Branddirektor. In den folgenden 20 Jahren wurde unter Kipping das Personal kräftig aufgestockt, fünf weitere Feuerwachen wurden in Dienst genommen.

Am 22.10.1892 rückte die Feuerwehr zum Brand eines 6-geschossigen Speichers aus. Branddirektor Kipping übernahm die Leitung und erkundete gerade die unübersichtliche Brandstelle, als eine Giebelwand unerwartet einstürzte und ihn sowie mehrere Feuerwehrleute unter sich begrub. Die Ursache: Fest vermauerte Eisenträger hatten sich auf Grund der Hitze ausgedehnt und die Mauer zum umstürzen gebracht. Kipping wurde bewußtlos aus den Trümmern gerettet und zu einer Feuerwache getragen. Nachdem er das Bewußtsein wiedererlangt hatte, wurde er auf eigenen Wunsch ins Seemannskrankenhaus gebracht. Er starb dort am nächsten Tag.


Löschboot "Branddirektor Kipping"

Während vorher die Löschboote Hamburgs mit römischen Zahlen gekennzeichnet wurden (Nummernvergabe nach Indienststellung, nicht nach Wachnummern), erhielten sie ab 1965 die Namen bedeutender Persönlichkeiten der Feuerwehr Hamburg. Das hier vorgestellte wurde nach dem ersten Branddirektor der Stadt benannt. Zuvor trug bereits das ehemalige "LÖSCHBOOT VI" nach seiner Umbenennung diesen Namen.

Klicken 
Sie auf dieses Foto, um es im Großformat anzusehen! Getauft wurde das Löschboot "Branddirektor Kipping" am 30.05.1975 auf der Schiffswerft Ernst Menzer in Hamburg-Bergedorf (Neubau-Nr. 457), am 19.08.1975 ging es als erstes von 5 im Rahmen des bis 1985 laufenden Erneuerungsprogramms gebauten Löschbooten und als 2. Neubau nach dem 2. Weltkrieg in Dienst und ersetzte das 37 Jahre alte Boot gleichen Namens. Klicken Sie auf das Foto oder diesen Link, um es im Großformat anzusehen!. Das Bild wurde zur Verfügung gestellt von Burkhard Reeg, Feuerlöschboot-Fieber.

Das Boot war für die Schiffs- und Gebäudebrandbekämpfung und technische Hilfeleistung vorgesehen. Sein Haupt-Einsatzgebiet war der gesamte Hamburger Hafen zuzüglich Unterelbe bis zur Landesgrenze. Zugelassen war es für die Aufnahme von 36 Personen und den Bereich von der Staustufe Geesthacht bis zur Seegrenze bei Cuxhaven. Bauartbedingt durfte es Tankschiffhäfen befahren.

Der Bootskörper war aus Stahl, vollständig geschweißt. Sein Steven wurde mit Blick auf Eisgang verstärkt, das Ruderhaus aus Leichtmetall gefertigt. Maße:
- Länge über alles 31,85 m
- Breite über alles 6,40 m
- Höhe 9,65 m, reduzierbar auf 5,25 m durch Umlegen des Mastes
- Tiefgang maximal 1,80 m
- Verdrängung 130,00 t

Als Hauptmaschinen waren 2 16-Zylinder-Dieselmotoren von MWM, Typ RHS 518 V 16, vorhanden. Diese leisteten je 360 kW (490 PS) bei 1800 U/min. Mit Hilfe von 2 Verstellpropellern (Schaffran, Typ VH 35) ereichte das LB eine mittlere Geschwindigkeit von 14 Knoten (25,9 km/h; mehr ist im Hafengebiet nicht sinnvoll möglich). Des weiteren gab es als Hilfsaggregat einen 6-Zylinder-Dieselmotor von Daimler-Benz, Typ OM 314 A, der 28 kW bei 1500 U/min leistete und mit einem Drehstromgenerator von van Kaick (25 kVA, 230/400 V) verbunden war.

Löschboot 'Branddirektor Kipping', Skizze Bei der 2-teiligen, hydraulisch angetriebenen Löschbrücke handelte es sich um ein Produkt der Firma Metz, Karlsruhe. Als Basis wurden, soweit möglich, Bauteile einer Standard-Drehleiter verwendet, wie sie bei Landfahrzeugen vorhanden sind. So wurden Kosten gespart (Entwicklung, Reparaturen, Ausbildung). Neuentwickelt wurden das Drehgestell, der Arbeitskorb, der Öltank, sowie der daraufhin patentierte durch die Drehachse geführte Öl-, Wasser- und Stromverteiler. Die Löschbrücke war endlos drehbar und konnte bis zu 75 Grad aufgerichtet bzw. bis zu 8 Grad abgesenkt werden. Mit ihrer maximalen Höhe von 22 Metern konnten die Decks von damals üblichen Containerschiffen und Tankern erreicht werden. Sie wurde vom Bedienpult oder vom Korb aus gesteuert. Bei seitlich ausladender Löschbrücke konnte sich im ungünstigsten Fall eine Krängung (Seitenneigung) des Bootes von 5,5 Grad ergeben. Die Leiterspitze konnte wellenbedingt Vertikalhübe von maximal +/- 0,5 m erfahren.

Stichworte zur feuerwehrtechnischen Ausstattung: 2 Kreiselpumpen von Klein, Schanzlin & Becker, je 5.000 l/min bei 12 bar, angetrieben von den Hauptmaschinen; 2 Schaum-/Wasserwerfer von Albach, Typ Alco 375 S mit Kombirohr A 3000, je 3.000 l Wasser/min (Wurfweite 60 m) oder 18 Kubikmeter Schaum/min (Wurfweite 50 m) bei 8 bar; Wassersprühanlage mit 12 Düsen zum Eigenschutz, 440 l/min; stationäre Gasmeßanlage; Lichtmast mit 3 Halogenleuchten, bis 7 m ausfahrbar; Schaumlöschanlage mit 2 Tanks (zusammen 15.500 l Mehrbereichsschaummittel), 2 Pumpen von Sihi (234 l/min bei 14,4 bar), 5 Zumischer von Total.

Das beschriebene LB war am Ende seiner Dienstzeit eines von 4 Löschbooten unterschiedlicher Arten bei der Feuerwehr Hamburg. Es war wie 2 weitere ständig mit einem Schiffsführer und einem Maschinisten besetzt (bei Bedarf nahmen/nehmen sie weiteres Personal, z. B. die Besatzung eines Löschzuges an Bord), beim 4. Boot handelte es sich um ein Reserveboot. Die Löschboote lagen an 3 Stationen im Hafengebiet verteilt und waren der Feuerwache Finkenwerder (F 35) zugeordnet. Der Liegeplatz der "Branddirektor Kipping" war für viele Jahre und zum Zeitpunkt der Entstehung der beschriebenen Briefmarke als "Löschboot 11" (Rufname im Feuerwehr-Sprechfunk; Rufzeichen "Delta Alpha 9361" im Seefunkverkehr) die Löschbootstation Am Sandtorkai/Kehrwiederspitze, die damals zur Feuerwache 11 (Innenstadt) gehörte:

Wenn Sie die vorstehende Straßenkarte nicht in das Stadtgebiet einordnen können, dann können Sie sich eine Übersichtskarte anzeigen lassen.

Die "Branddirektor Kipping" wurde im August 2006 ausgemustert. Im Rahmen eines neuen Einsatzkonzeptes wurde die Zahl der einsatzbereiten Löschboote um eines verringert, es blieb bei einem Reserveboot. Gründe waren u. a., das die immer größer werdenden Schiffe von Löschbooten aus immer schlechter als von Land aus zu erreichen sind und die Unterelbe vom Havariekommando Cuxhaven abgedeckt werden soll. Außerdem entsprach das Boot nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik, z. B. was die Wasserabgabe betraf. Näheres hierzu ist einem Artikel im Hamburger Abendblatt vom 11.08.2006 zu entnehmen.

Im April 2008 wurde das Boot nach Russland verkauft. Am 31. Mai 2008 fuhr es über den Nord-Ostsee-Kanal seinem neuen Einsatzrevier entgegen.


Quellen:
Michel-Katalog Deutschland; Schwaneberger Verlag.
Deutsche Bundespost: Ersttagsblatt 14/1989.
Feuerwehr Hamburg, Technische Abteilung: Information 6/1975 'Indienststellung des neuen Löschbootes "Branddirektot Kipping"'.
Manfred Gihl, Harry Braun: Feuerwehr im Hafen; E. Kabel Verlag GmbH, Hamburg, 1991.
Manfred Gihl: Feuerwehr Hamburg Eins-Eins-Zwo; EFB-Verlagsgesellschaft, Erlensee, 1997.
Informationen der Pressestelle der Feuerwehr Hamburg.

Text und Skizze: Norbert Kölln


Geben Sie dieser Seite eine Schulnote (1: sehr gut ... 6: sehr schlecht):